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Kap. II. Natürliche Beschaffenheit von Schantung.
bevorstehen, auch die Missionsstationen deren Ausführung unter autoritativer Anleitung übernehmen werden; es wird sich dann ein allgemeines Bild des Ganges von Temperatur und Niederschlägen gewinnen lassen.
Noch ist der Winde des Winterhalbjahrs zu gedenken, die eine viel grössere Stärke als die sommerlichen haben und durch ihre Richtung einen weitaus vorherrschenden kontinentalen Charakter tragen. Obgleich sie wesentlich trocken sind, kommen, wie gesagt, auch Schneefälle vor, doch sind sie nicht bedeutend, und der Schnee bleibt nur kurze Zeit liegen. Unangenehm sind besonders die nordwestlichen Winde, die in den beiden ersten Monaten des Jahres in den japanischen und nordchinesischen Meeren vorwalten und grosse Heftigkeit erreichen. Für Kiautschou werden sie sich leicht durch die Erzeugung eines starken Wellenganges auf der grossen Fläche der Bai bemerkbar machen, und es wird besondere Aufmerksamkeit auf dessen Abwehr gerichtet sein müssen.
Vegetation.
Kahle Berge, und üppiger Anbau in Thälern und Ebenen, das ist jetzt der Charakter von Schantung. Es giebt keine Wälder, ausser wo ihnen der geheiligte Grund in den Umgebungen von Tempeln Schutz gewährt hat. An einigen Stellen fand ich Pflanzungen von Kiefern mit zehn- bis zwölfjährigem Umtrieb. Gruppen hoher Bäume, insbesondere in der Umgebung der Dörfer, und zusammenhängende Pflanzungen von Obstbäumen oder Maulbeerbäumen entschädigen etwas für den Mangel an Wäldern, aber der Gesammt-Eindruck kahler Berge heftet sich an die Erinnerung der Landschaft. Es kann nicht immer so gewesen sein. In einer Gegend, wo die Winterkälte den vollkommenen Winterschlaf der Vegetation gestattet und bereits im Vorfrühling Niederschläge beginnen, die dann zunehmen, bis im Hochsommer eine übermässig starke Befeuchtung erfolgt, da sind die Bedingungen für das Bestehen eines Pflanzenkleides bis zu den Kämmen