Druckschrift 
Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou : mit 3 grossen Karten ausser Text (1 topographische und 1 geologische Karte der Provinz Schantung, 1Karte des nordöstlichen China), 3 kleinen Karten im Text und 9 Lichtdrucktafeln / von Ferdinand von Richthofen
Entstehung
Seite
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ZWEITES KAPITEL.

Natürliche Beschaffenheit von Sehantung.

Gegensatz zwischen Süd- und Nord-China.

Weit aus dem Inneren von Asien her erstreckt sich nach Osten eine Gebirgswelt, ausgedehnt wie keine andere auf der Erde. Im Himalaya und der tibetischen Bodenschwelle ragt sie zu Riesenhöhen auf; sie verbreitert sich nach Osten, und wo wir in das Ursprungsland der Riesenströme des südöstlichen Asien kommen, quellen die Gebirge über, wie aus einem Füllhorn. Theils setzen sie ostwärts fort, theils ziehen sie nach Südost und Süd hinab. Sie erfüllen das mittlere und südliche China, nehmen ganz Hinterindien ein, und erstrecken sich fort in der herrlichen Inselwelt von Indonesien. Wo die Verbreiterung eintritt, erreichen wir die politische Grenze des eigentlichen China, desLandes der achtzehn Provinzen. Bleiben wir in dessen Bereich. Noch ragen die Gebirge bis zu mehr als 6000 Meter auf; dann senken sie sich herab, bleiben aber fest geschlossen, wenn auch die Höhen wechseln und ganze Theile beckenartig eingesenkt sind; denn auch sie sind von Flüssen durchfurcht und in Bergland aufgelöst. Kein ebenes Land breitet sich aus; selbst die Ablagerungen der Flüsse bilden selten einen Thalboden von einigen Kilometer Breite. Ein üppiges, grünes Pflanzen­kleid überzieht Gebirge und Thäler; denn die Monsunwinde des Sommers bringen die Feuchtigkeit in der Jahreszeit, wenn diePflanzen