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Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou : mit 3 grossen Karten ausser Text (1 topographische und 1 geologische Karte der Provinz Schantung, 1Karte des nordöstlichen China), 3 kleinen Karten im Text und 9 Lichtdrucktafeln / von Ferdinand von Richthofen
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Kap. I. Von Schanghai nach Schantung.

als ob die Natur und Kunst in die Wette den Anschauer belästigen, und jedwede der andern abgewinnen wollte.

Aehnlich, wenn auch ungleich nüchterner im Ausdruck, hat Staunton die Eindrücke der englischen Gesandtschaft unter Lord Macartney geschildert.

Fahrt auf dem Grossen Kanal.

Ich hatte, um nach Schantung zu kommen, nur die erste Strecke des Grossen Kanals, bis zum alten Lauf des Gelben Flusses, zurück­zulegen. Ein Herr in Tschinkiang miethete für mich ein grosses, bequemes Mandarinboot, wofür der sehr geringe Preis von i Tael (damals 6 Mark) täglich verlangt wurde. Die'Bemannung wurde auf zehn Köpfe angegeben; allerdings stellte es sich später heraus, dass nur fünf arbeitsfähige Menschen an Bord waren, den Bootführer oder »Lauda«, einen inveterirten und entkräfteten Opiumraucher, eingerechnet. Die Zehnzahl wurde durch seine Frau und vier Kinder vollgemacht. Die Entfernung unseres Zielpunktes Tsing- kiangpu beträgt nur 160 km und sollte in drei Tagen zurück­gelegt werden. Ich war daher verwundert, als eine Voraus­bezahlung von 5 Taels verlangt wurde. Die Auspicien für eine schnelle Fortbewegung waren offenbar nicht günstig. Auch kamen wir noch nicht fort, da es wegen der hohen Wellen unmöglich war, das nur für den Kanal eingerichtete, flach gebaute Boot über den Fluss hinüber nach der Mündung des Kanals zu bringen. Es lag in dem sicheren, vom Fluss getrennten Hafen mit vielen anderen Schiffen. Ausser einigen von der See herkommenden Dschunken giebt es hier stets zweierlei Fahrzeuge kleinerer Art, nämlich einerseits scharf und tief gebaute Segelboote mit ein­facher Mattenbedeckung, die auf dem grossen Strom jedem Wetter trotzen, aber, wenn sie sonst hinreichend gross sind, zu tief gehen, um auf dem Grossen Kanal verwendbar zu sein, andererseits flach und breit gebaute Kanalboote von sehr geringem Tiefgang. Diese dienen grösstentheils für die Frachtbeförderung, während andere einen für die Aufnahme von Passagieren eingerichteten schweren