Maas und Gewicht.
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VI. Maass und Gewicht.
Alle in China angewandten Einheiten für Längenmaasse, Flächenmaasse, Raummaasse und Gewichte stammen aus der ältesten Zeit. Sie sind auf ein gegenseitiges Verhältniss gegründet, und die Unterabtheilung der normalen zu niederen, ebenso wie ihre Summirung zu höheren Einheiten, beruht wesentlich auf dem Decimalsystem.
Betreffs der Ableitung von einander erinnert das chinesische System am meisten an das metrische. Einiges darüber ist auf Seite 1 52 mitgetheilt. Der Werth der Maasse hat im Lauf der Zeit etwas geschwankt, und statt der im höchsten Alterthum angestrebten Gleichheit der normalen Einheiten über das Reich ist eiue grosse Mannigfaltigkeit getreten, weit grösser, als sie im Anfang dieses Jahrhunderts innerhalb des jetzigen Deutschen Reichs bestanden hat. Für den auswärtigen Handel war es erforderlich, soweit die Maasse für ihn in Betracht kommen, feste Nonnen einzuführen. Dies scheinen die malay- ischen Händler schon längst vor Ankunft der Fremden in China gethan zu haben; denn aus ihrer Handelssprache stammen die Worte, welche für die bezeichnete Gruppe von Maasseinheiten eingeführt worden sind. Die Britischostindische Kompagnie hat sie übernommen, und von ihr sind sie auf den heutigen Handel und Verkehr übergegangen. Die hierauf bezüglichen Ableitungen der jetzt gebräuchlichen Ausdrücke entnehme ich dem hervorragenden Werk von Henry Yule: Glossary of Anglo-Indian words, London 1886.
Für die Längenmaasse ist die Grundeinheit der tschi, oder chinesische Fuss, obgleich nach der alten Ableitung (S. 1 52 i der fönn (='/ioo Fuss), als der Durchmesser eines Hirsekorns, das Urmaass bilden würde. Der tschi ist = 10 tsun oder Zoll, 1 tsun = 10 fönn oder Linien. 10 tschi sind = 1 tschanq. Dieser ist ein im Bergbau häufig angewandtes Maass; z. B. werden die Tiefe der Schächte oder die Längen der Stollen immer in tschanq ausgedrückt.
Der tschi unterliegt provinziellen Schwankungen. Sein Werth ist durch die englischen Verträge, welche maassgebend sind, für den Handelsgebrauch zu 3,581 Meter festgesetzt.
Das Einheitsmaass für räumliche Entfernungen ist die li. Da die in 10 Stunden zu Fuss oder mit Packthieren zurückzulegende Tagereise zu 100 li angenommen wird, scheint dieser Begriff zu Grunde zu liegen. Demgemäss ist im Volksgebrauch die Strecke von 100 li verschieden je nach der Gangbarkeit des Weges. Auf ebenem Boden ist sie länger, als wo der Weg einen Pass überschreitet; und wo An- und Abstieg lang sind, wird die Entfernung der Höhe von der Ebene in sehr verschiedenen Zahlen angegeben, je nachdem man hinauf oder hinabsteigt. Es ist derselbe Begriff, welcher den Tyroler »Stunden« und den Schweizer »Ure« innewohnte, ehe dafür feste Werthe eingeführt wurden. Hat man weite Entfernungen zurückzulegen.