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Schantung und seine Eingangspforte Kiautschou : mit 3 grossen Karten ausser Text (1 topographische und 1 geologische Karte der Provinz Schantung, 1Karte des nordöstlichen China), 3 kleinen Karten im Text und 9 Lichtdrucktafeln / von Ferdinand von Richthofen
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Literatur über Schantung.

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und formeller Bildung steckt; Menschen, welche auch fähig sind, das zu er­fassen, was die europäische Kultur ihnen bieten kann. Die intelligenten Gesichtszüge von Studirenden, welche den höheren Klassen angehören, tragen vielleicht dazu bei, das herkömmliche Urtheil zu berichtigen. Da das vor­liegende Buch von dieser ernsteren Aulfassung der Chinesen ausgeht, so ist die genannte Darstellung als Titelbild gewählt worden, wenn auch die Erzählung einer geologischen Wanderung durch Schantung mir wenig Gelegenheit bot, im Text auf diese Seite der Betrachtung besonders einzugehen.

III. Literatur über Schantung.

Die erste Beschreibung von Schantung hat der aus Trient stammende deutsch-tyroler Jesuit Martin Martini in dem Text zu seinem grossen, im Jahr 1 65 5 zu Wien erschienenen »Atlas Sinensis gegeben. Sie ist kurz, enthält aber treffende Bemerkungen. Er hatte viel von China gesehen, be­richtete darüber in klaren Zügen und stellte in dem Atlas Nachzeichnungen der damaligen chinesischen Karten zusammen. Da er gewiss das beste vor­handene Material benutzt hat, erhält man ditrch die Karte von Schantung einen Begriff von der Unvollkommenheit der graphischen Darstellungen, welche damals die Chinesen von ihrem Land besassen. Obgleich sie seit alter Zeit den Kompass kannten, haben sie doch nur plumpe Umrisse zu zeichnen vermocht.

Einen grossen Fortschritt bezeichnen die Karten, welche dAnville zu dem grossen, im Jahr 1735 in 4 Foliobänden zu Paris erschienenen Werk von Du Halde: »Description de la Chine«, gezeichnet hat. Ihm standen die bewundernswerthen Originalkarten zu Gebote, welche die Jesuiten im Auftrag des Kaisers Kanghi in derZeit von 1708 bis 1717 nach eigenen Aufnahmen entworfen hatten. Ihr Werk bestand darin, die geographischen Längen und Breiten einer grossen Zahl von Städten astronomisch festzulegen. Dadurch erhielten sie ein Netz von festen Punkten, das sie nun durch Eintragung der Beobachtungen an ihren Reisewegen und durch Einzeichnung sonstiger Ort­schaften, sowie der Flussläufe und Küstenlinien, nach chinesischen Karten ergänzen konnten. Die Aufnahme von Schantung wurde 1711 von dem Franzosen Regis und dem Portugiesen Cardoso ausgeführt. Der Text des Werkes von Du Halde entstammt grösstentheils den Berichten der Jesuiten. Von diesen aber reicht, trotz ihrer Gelehrsamkeit, nicht ein einziger, was geographischen Beobachtungssinn betrifft, an Martini heran. Wir finden daher betreffs Schantung bei Du Halde nur einen dürftigen Auszug aus dessen weit besserem Bericht. Das Thatsächliche beschränkt sich auf die Angaben, Schantung sei eine der fruchtbarsten Provinzen von China, leide