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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Brasilien. Hanseatische Kolonisationsgesellschaft.

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Weste der Auslandbeamten abgibt und selbst einem Peters nicht Gerechtig­keit widerfahren läßt, der immerhin von sich sagen kann:

Ich bin ein Mann! Nehmt alles nur in allem, ich bin ein Mann!

Um so dankbarer gedenkt der Deutsche in Brasilien des Herrn v. Treutier, der diplomatisches Geschick mit tatkräftiger Teilnahme für das Wohl und Wehe aller ihm von seinem Kaiser anvertrauten Landsleute glücklich zu vereinen verstanden hat.

Hanseatische Kolonisationsgesellschaft

Im Staate Sta. Catharina hat die Staatsregierung seit Jahren auf gehört, Einwanderer auf Staatskosten herbeizuziehen, verkauft aber an selbständig Zugewanderte oder bereits Angesessene fruchtbares, devolutes (unerschlossenes) Land zu billigen Preisen. Im Jahre 1903 sind 457 Landeskonzessionen er­teilt und angenommen worden. Der Wert der verkauften Ländereien, die zum Durchschnittspreise von 10$ für den Hektar verkauft werden, betrug im Jahre 1903 137 : 100$. Bar bezahlt wurden 209 oder 44 °/o der vergebenen Stücke.

Diese Zahlen sind lehrreich. Der Bodenpreis ist zunächst äußerst billig gegenüber dem Durchschnittspreis der H. K. G. von 40$ für den Hektar. Das rührt einmal daher, daß der Staat ja keinen hohen Gewinnanteil für Land erstrebt, während die H. K. G. ausgesprochenermaßen einrein kaufmännisches Unternehmen ist. Der Preisunterschied wäre aber zu übermäßig, wenn nicht noch weitere Gründe hinzuträten. Der Staat gibt in der Regel das devolute Land ohne Wege und unvermessen ab. Die Vermessung, die den Hektar nochmals um 5$ verteuert, hat der Käufer selbst besorgen zu lassen und zu bezahlen. Im übrigen kümmert der Staat sich um die Käufer überhaupt nicht. Er braucht deshalb keine Verwalter, bis die neuen Kolonien so weit herangereift sind, daß er von ihnen Steuer erheben kann. Solches Vorgehen ist aber nur möglich, wenn alle oder fast alle Käufer mit den Landesverhält­nissen vertraut, also keine Neu-Einwanderer sind und ein gewisses Betriebs­kapital besitzen.

Diese Tatsache wird, abgesehen von meinen eigenen Beobachtungen, in den Staatskolonien am Südarm und Hauptarm des Itajahy durch den großen Prozentsatz an Barzahlungen, 44 %, bestätigt, während bei der H. K. G. keine 5 °/ 0 der Käufer bar bezahlen, obwohl bei Barzahlung in Hamburg 15%, in der Kolonie Hansa 6 % Rabatt vom Kaufpreise gewährt wird. Es bestehen in dieser Hinsicht für die H. K. G. von Haus aus schwierige Verhältnisse, aber es hieße die Gunst der Landesverhältnisse und den in die Augen springenden Vorteil der südbrasilianischen Kolonisation verkennen, wollte man von den Einwanderern ein größeres Kapital verlangen. Gerade die Mög­lichkeit, sich fast ohne Barmittel nach 2 bis 4 schweren Anfangsjahren eine freie, selbständige Bauernexistenz auf eigener Scholle gründen zu

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