Print 
Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
Place and Date of Creation
Page
97
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Brasilien. Deutsche Konsulate.

97

waltung ist eine geregelte Finanz Wirtschaft, vor allen Dingen die rasche Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen, Und daran hat es die gegen­wärtige Kammer nicht fehlen lassen. Wer eine öffentliche Arbeit gemacht hatte, brauchte auf sein Geld nicht zu warten. Die aus der vorigen Ver­waltungsperiode überkommene Schuldenlast betrug 32:301$ und konnte aus den laufenden Einnahmen unmöglich getilgt werden. Deshalb beschloß die Kammer, eine innere Anleihe von 30:000$ aufzunehmen, die zur Abtragung der schwebenden Schulden und zum Bau der Garciabrücke dienen sollte. Von dieser Anleihe wurden jedoch nur 24:000$ untergebracht, und davon sind bereits 6:000$ durch Auslösung getilgt worden. Die gegenwärtige Schuld beträgt demnach 18:000$ und hat den Vorzug, fundiert zu sein. Weitere Verpflichtungen liegen nicht vor (Urwaldsbote).

Im Municipium Blumenau sind in der Verwaltungsperiode 1899 bis 1902 bei einer Gesamteinnahme von 347:949$ für Beamtengehälter 74:366$ d. h. 21,4 °/ 0 , in der Periode 1903 bis 1906 bei einer Gesamteinnahme von 398: 945$ nur 52:543$ d. h. nur 13,2 °/ 0 verausgabt worden. Die Ersparnis an Verwaltungsunkosten in der letzten Periode beträgt somit 21:823$ = 41 °/ 0 dieser Ausgaben. Während ferner von 1892 bis 1902 in dem früheren Zeit­abschnitt 217 Kontos = 62,5°/ 0 des Etats für öffentliche Arbeiten aus­geworfen waren, konnten von 1903 bis 1906 292 Kontos = 72,8 °/ 0 der Gesamteinnahme für öffentliche Arbeiten verwandt werden. Ich habe keine gegnerische Stellung zu dem früheren lusobrasilianischen Superinten­denten eingenommen, an dessen Deutschenfreundschaft ich zwar nicht glaube, den ich aber ungleich höher schätze als gewisse deutsch-brasilianische Politiker, die stets vor dem Wind zu segeln suchen. Daher komme ich nicht in den Verdacht, subjektiv zu urteilen, wenn ich sage: die jetzige Verwaltung des Superintendenten Schräder, seiner Intendenten und übrigen Beamten gereicht in ihrer Unbestechlichkeit, Pflicht­treue und dabei ihrer ebenso sparsamen wie rationellen Verwal­tung der alten deutschen Heimat um so mehr zur Ehre, als Schräder, seine Verwandten und engeren Freunde (nicht zuletzt der Urwalds­bote!) den harmonischen Einklang gefunden haben, bei treuer Liebe zu ihrer alten Heimat den Pflichten gegen ihr selbstgewähltes Vaterland gerecht zu werden! Es sind dieselben Männer, die gleiches Recht für deutsche Sprache fordern und die auf der anderen Seite, wenn auch nicht Liebe, so doch rückhaltlose Anerkennung in Regierungskreisen sich buch­stäblich errungen haben.

Deutsche Konsulate.

Eine schwer zu beantwortende Frage ist die der pflichtmäßigen Reichs­angehörigkeit. Es erfordert jedenfalls einen klaren Charakter, will man Deut­scher bleiben und gleichzeitig Brasilianer werden. Wer sich dem unausbleiblichen

Wettstein, Brasilien und Blumenau. 7