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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Brasilien. Bevölkerung.

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Schmalz dem ganzen Haus- und Feldbau Neu-Württembergs seinen Landes­charakter verleiht. Honig ist als Eßware und zur Wachsbereitung ein aus­fuhrfähiges Erzeugnis für eine rationelle Landwirtschaft. Die Hautbedeckung der Tiere wird fast gar nicht ausgebeutet. Selbst vom Schaf verwendet man bisher, ein Zeichen unrationellen Betriebs, nur das Fell selbst. Dagegen wird die Gans, die übrigens ihren Geschmack unter der Tropensonne einbüßt, eigens der Federn willen gehalten oder darum, weil manche Bauern bei der Physiognomie ihres Hühner- und Federviehhofs ungern die deutsche Gans vermissen. Dünger wird nur ausnahmsweise benutzt.

Über die Kraftleistungen der Tiere im Tragen und Ziehen wird bei den Transportmitteln noch zu sprechen sein. Verwunderlich scheint es, daß in der Kolonie Blumenau, die sich ausgesprochen auf Butterbereitung ge­worfen hat, nicht mehr das Rind an Stelle des Pferdes zur Kraftleistung heran­gezogen wird. Der Kolonist zieht aber nicht gern Ochsen auf, die als Kälber ihm zuviel Milch kosten. Nur zumPuschen (Schleifen) großer Hölzer aus dem Walde (Tafel XX) und zum Betrieb der Zuckermühlen verwendet der deutsche Kolonist Ochsen. Das feuchte Klima und den glatten Lehmboden möchte ich für diese Tatsache mit verantwortlich machen. Das zweihufige Rind eignet sich be­sonders in trockenen, sandigen und felslosen Gegenden für Kraftleistungen, daher die bevorzugte Verwendung in Südafrika und die Verwendung auf den süd­amerikanischen Kampos. In feuchtlehmigem Boden greifen die scharfen Hufe der Maultiere besser ein, während ein Ochse auf solchem Gelände mit seinem eigenen Gewicht gerade genug zu schleppen hat. Im Widerspruch zu dieser Auffassung steht freilich die Tatsache, daß in Kolumbien auf den schwierigsten Stellen des Gebirges Ochsen, nicht Maultiere, als Saumtiere verwandt werden. Ihre phlegmatische, immerhin, bedachte Art in der Auswahl der besten Saum­pfadstellen mag für die Gewöhnung des Ochsen zu solcher Tätigkeit die Ver­anlassung gegeben haben. Aus diesem Grunde sehe ich mit Interesse den Erfolgen der Buren entgegen, die in feuchte Gegenden Ostafrikas den Ochsen­wagenverkehr verpflanzen wollen.

Die Nutzung toter Tiere wird in Rio Grande vollgültig geübt. Auch in Sta. Catharina werden Xarque (gesalzenes und dann meist in der Sonne getrocknetes Fleisch), Häute, Horn, Haare und Knochen transportfähig werden und wertvolle Ausfuhrartikel darstellen, sobald die Bahn das Hochland mit seiner dort überall verbreiteten Viehzucht erreicht hat.

Bevölkerung.

Der Zahl nach betrachtet stellt sich uns die Bevölkerung Brasiliens viel zu klein für das Riesenreich und seine Aufgaben dar, zumal wir gesehen haben, daß namentlich in Südbrasilien die Fruchtbarkeit des Landes eine dichte Bevölkerung zuläßt und andererseits das Klima eine starke Besiedlung nicht hindert. Die nötige Vermehrung der Bewohner kann in befriedigender