Brasilien. Tierwelt.
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heute die besten Hinterlandsplätze für fähige und neue Kolonisationsgesellschaften zu sichern. Hand in Hand müßte freilich ein großzügiges Bahnunternehmen der Ostwestbahn gehen.
Erwähnt sei noch, daß Dr. Blumenau zahlreiche Zierpflanzen, Ziersträucher, Schmuck-, Schutz- und Nutzbäume in Blumenau eingeführt hat. Aber das freundliche Gepräge, das solch abwechslungsreicher Schmuck manchen älteren Kolonien verliehen hat, erfuhr wenig Nachahmung bei den Epigonen. Nur die Einführung der Pinien fand allerorts in der Ebene Anklang, weil die jungen Stämme, die in den ersten 20 Jahren anders wie später eine unserer Tanne sehr gleichende Gestalt zeigen, als Weihnachtsbäume verwandt werden.
Tierwelt.
Südamerika weist neben Australien die altertümlichste Tierwelt auf (Faultier, Gürteltier, Alpaca); aber die einheimische Tierwelt, die in jenen Gegenden entstanden und den natürlichen Verhältnissen bereits in jahrtausendelangem Ringen angepaßt ist, hat für die Entwicklung der Kolonie Blumenau nur in der ersten Zeit der Kolonisation einigen Wert, in der mangels anderer Nahrungsmittel Fischfang und Jagd eine größere Rolle spielen. Dabei haben es namentlich die Italiener verstanden, in kürzester Frist jedes eßbare Wesen von der Ante bis zum kleinsten Singvogel in ihrer Nähe umzubringen.
An Fischen finden wir den Bagre (Wels), Dourado (wohlschmeckend), Mandi (Forelle), Tainha (Wels), Trahira (Hecht) und an der Küste Austern und Cameröes, daneben lebt vereinzelt das Yacare (Alligator). Eins sah ich unweit Blumenau am Flußufer liegen, Größe IV2 —2 m, und bei Neu-Bremen wurde 1905 ein Yacare von etwa 1,5 m Länge geschossen, dessen Haut ich mitgebracht habe.
Waldtiere sind: Affen (Macaco, Zebus und Stentor), Agutis (Hasen), Anten, Ferreiras (Ochsenfrösche), Gambas, große Eidechsen, Hirsche, Iraras, Nasenbären (Coatis), Pacas (Coelogeneis), Pumas, Rehe, Sandhasen (Preyas), Tatus (Gürteltiere), Tigerkatzen, Unzen, Wasserschweine (Capivaris), Wildschweine (Peccaris); Eulen, Ferradores (Schmiede), Finken, Habichte, Kolibris, Meisen, Papageien, Rebhühner (Ivos, Inhambüs, Urüs), Reiher, Sabiäs (Drossel), Schnepfen, Spechte, Sperlinge, Tucane, Urubüs (Aasgeier), Wachteln, Waldhühner (Jacus, Jacutingas, Jacupembas, Macucos u. a.), Wasserhühner (Sera- curas), Wildenten. — Eingeführt sind kürzlich die Ratten.
An Ungeziefer gibt es: Ameisen (rote und schwarze), Baratten (Blatta orientalis), Bichopernas, Borischudos, Heuschrecken, Carapaten, Mosquiten, Sandflöhe, Schlepperameisen, Termiten. Die Heuschrecken kommen seltener nach Blumenau, während sie in Rio Grande wiederholt zur Hungersnot geführt haben, und in Argentinien der freie Ansiedler soviel Kapital besitzen muß, um zwei- bis dreimal zu Anfang seiner Wirtschaft eine völlige Vertilgung seiner Ernte durch Heuschrecken ertragen zu können. Die gesamte Getreideproduktion Argentiniens ändert sich jedoch durch die Heuschreckenschäden