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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Brasilien. Pflanzenwelt.

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Pflanzenwelt.

WährendRegen zu allen Jahreszeiten die Verkehrsformen sehr ein­schränkt, dadurch die Entwicklung der Kolonie hemmt und deshalb bei zu­nehmender Intensität der Betriebe kategorisch ein Ausschalten der bisherigen, vom Klima abhängigen'Transportmittel fordert, wirkt das durch Wärme bevor­zugte regenreiche Klima für den Pflanzenwuchs besonders günstig, da kein dürrer Sommer die Fluren versengt und kein trockener oder kalter Winter das Wachstum unterbricht.

Indessen teilt sich Sta. Catharina scharf in zwei Gebiete, das heißfeuchte tropische Tiefland der östlichen Täler mit ihren Urwaldregionen und das trockene und gemäßigt-warme Hochland. Diese Tatsache läßt sich noch anders ausdrücken, um ihre große Bedeutung hervorzuheben: es schneiden sich im Staat Sta. Catharina die tropischen und subtropi­schen Vegetationszonen, letztere auf dem Rücken des stehengebliebenen und weit in die Täler hineingreifenden Tafellandes, nur getrennt von Berg zum Tal.

Die erste Zone in den Tälern weist Mais als Hauptkornfrucht, Orangen und Zitronen, ferner Kaffee, Zuckerrohr 1 ) und Bananen auf: die andere, wage­recht nur wenige Kilometer, senkrecht 6001000 m davon geschieden, erzeugt auf dem Hochland wiederum Mais, daneben Kernobst, Roggen, Hafer und Mate. Diejenigen Gebiete, in denen sich beide Zonen schneiden, wie dies namentlich auch in der Komark Blumenau und ihrem Hinterland der Fall ist, sind deshalb von Natur für den regsten Austausch dieser Erzeugnisse berufen, und es ist nur natürlich, daß ein Wunsch alle Blumenauer Geschäftsleute beseelt: eine gute Verbindung mit dem Hochland zum Austausch der zonenweit verschiedenen Erzeugnisse.

Das Engelbrechtsche Schema von 8 Landbauzonen, das Hereingreifen der Zone des Zuckers in den Norden und die Mitte des Staates Sta. Catharina und ebenso im Süden der Anschluß der Maiszone paßt eben nur allgemein auf das Vorherrschen gewisser Erzeugnisse und kann erst recht nicht so eigenartigen Naturverhältnissen gerecht werden, wie sie das genannte In­einandergreifen von Hochland und Tiefland in Sta. Catharina darstellt. Während man z. B. in Humboldt (Kolonie Hansa) mit Erfolg Zuckerrohr, Kaffee und Bananen pflanzt, aber alle Versuche des Haferbaues fehlschlugen, gedeiht bei Bechelbronn, nur etwa 30 km mittels Straße entfernt, der Hafer ausgezeichnet; freilich trennt beide Orte ein Höhenunterschied von einigen hundert Metern.

0 In Rio Grande lassen die häufigen Fröste den Anbau des ^pckerrohrs als Regel nur für den Verbrauch als Grünfutter zu und in den geschützten Tälern rechnet man durchschnittlich in Rio Grande 5 % Zuckergehalt, während in Richtung nach dem Äquator die Güte des Zuckerrohrs zunimmt, so daß man in Bahia und Pernambuco 1822% Zuckergehalt festgestellt hat.