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Brasilien und die deutsch-brasilianische Kolonie Blumenau / von [Karl A.] Wettstein
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Brasilien. Klima.

Für die Gestaltung der Pflanzenwelt, der einheimischen sowohl wie der eingeführten, zieht sich durch Südbrasilien eine scharfe Linie, die Frost­

grenze. Im Stadtplatz Blumenau ist in den letzten 19 Jahren nach den zu­verlässigen Beobachtungen des Meteorologen Scheidemantel nur zweimal die Temperatur unter) 2° gesunken, nämlich 1895 und 1904 auf -}- 0,3°

bzw. 0,0°. Dieses Sinken der Temperatur genügte aber, um in kälteren

nach Süden gerichteten Tälern Kaffee, Zuckerrohr, Bataten und Inhame gänz­lich erfrieren zu lassen. Nach den Reifnächten vom 17., 18. und 25. Juni 1904 habe ich es selbst beobachtet, wie in ihrer Folge Futtermangel einen empfindlichen Rückschlag für die Butterausfuhr herbeiführte. Auf dem Hoch­lande in Lages wurden damals, am 16. Juni 19043° Kälte beobachtet, das Minimum stand aber noch tiefer. An der Küste in Itajahy sanken die Tem­peraturen dagegen nurauf| 5°, während es damals in den Bergen der

Blumenauer Hansa vielfach Eis gab. In Neu-Württemberg war zu derselben Zeit in Elsenau die Temperatur auf 7°, in Setta Branca auf 10° ge­sunken. Die niedrigste Temperatur in Curitiba war am 19. Juni 1904 mit8,2° festgestellt worden. Solche niedrigen Temperaturen vernichten jahrelange Versuche, in nicht frostfreien Gebieten tropische Pflanzen einzubürgern und ziehen deshalb absolute Grenzen für die Wirtschaftlichkeit bestimmter Natur er Zeugnisse.

Die klimatischen Verhältnisse des Berg- und Tafellandes von Brasilien im einzelnen klarzulegen, würde mich zuweit außerhalb des Rahmens dieser Schrift führen, und ich möchte deshalb die auf Einzelheiten gerichteten Mit­teilungen der Wetterverhältnisse auf die Beobachtungen in Blumenau be­schränken. Der Stadtplatz Blumenau liegt in südlicher Breite von 26° 55'26" und in einer Länge von 49°3'32" westlich Greenwich. Die Abweichung des Kompasses betrug in Blumenau 1861 3°40' östlich, 1888 0°0'; 1905 2°25' westlich. Das Maximum der täglichen Schwingungen ist 8'. Im Jahre 1905 zeigte die Nadel im Südarm Itajahy 2° westlich, Pouso Redondo 1°56' und in Lages 1°13' westlich. Geographische Ortsbestimmungen der brasilianischen Hafenorte siehe Anlage VII.

Entscheidend wirkt für Temperatur wie Feuchtigkeit und Niederschläge der nur von westlichen oder südwestlichen Winden unterbrochene Südost­passat. Das Maximum des Luftdrucks ist in Juni und Juli, das Minimum zwischen Dezember und Februar. Herrschen die westlichen Landwinde, deren große Höhe zum Teil festgestellt ist, vor, so zerflattern die aus den Tälern aufsteigenden Gewitterwolken und werden in kürzester Zeit aufgesaugt. Gleich­zeitig verstärken die Landwinde, die in hohen Breiten mehr aus südlicher Richtung wehen, die Falklandströmung und führen im kühleren Wasser, das aus höheren Breiten kommt, vielfach Eisberge an der Küste entlang. Das Vorherrschen der Westwinde, Trockenheit, kältere und stärkere nördliche Meeresströmung und das Vordringen von Eisbergen nach niederen Breiten