Die Mittelmeer-Route
^n einer Zeit, als England seine Übersee-Politik noch nicht auf die Sicherung der Zugangstraßen nach Indien spezialisiert hatte, und lange bevor das Mittelmeer durch die Vollendung des Suez-Kanals der wichtigste von allen Seewegennach Osten wurde, erwarb Großbritannien in dem aus den Spanischen Erbfolgekrieg folgenden Frieden zu Utrecht im Jahre 1713 einen der wichtigsten maritimen Stützpunkte Europas: Gibraltar. Charakteristisch für die Methoden englischer Diplomatie war hierbei, daß der neue Besitz eine Kompensation für Englands Anerkennung Philipps V. als König von Spanien war; jedoch wurde damit die Bedingung verknüpft, daß niemals Frankreichs und Spaniens Königskronen vereinigt werden sollten. Schon zuvor, während des Erbfolgekrieges, hatte England sich geweigert, Karl VI. von Habsburg, Kaiser von Deutschland, als König von Spanien anzuerkennen, denn ein neues deutsch-spanisches Weltreich wie das Karls V. wäre für Britanniens aufstrebende Seemacht eine schwere Gefahr geworden. Der Grund der Erwerbung Gibraltars war wohl damals der Wunsch, den Levantehandel nach Nord-
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