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Anlage 98.
A uszugsweise Abschrift zu IV. 825. t6.
Amtsgericht.
Abteilung für Requisitionen in Strafsache». Keschäftsnummer: 326. t6.
Gegenwärtig:
Amtsrichter Or. Heddaeus, Külbel als Gerichtsschreiber.
Hamburg 36, den 18. Mai 11116.
Strafjustizgebäude, Sievekingsplah.
Beglaubigte Abschrift!
Hierselbst wurde der nachbeiiannte Zeuge im vernehmllngssähigen Zustande angetroffen und wie folgt vernommen:
Zur Person: Karl Bötefür, geboren am 18. August 1875 in Neustadt i.M., verheiratet, Zolldirektor, Kapitänleutnant der Neserve der Matrosenartillerie.
Zur Sache: Zur Zeit der Kriegserklärung befand ich mich als Zolldirektor in Duala. Ich war im Schutzgebiet seit dem Jahre 1903 in Dienst.
.... Wir wurden aus den Dampfer »OdrmÄ« gebracht und nach Southampton verschifft. An Bord fanden wir einen Teil des Gepäcks aus Duala vor, welches von den Frauen in der katholischen Kirche in Deido untergebracht war. Sowohl dieses als auch das, welches wir mit uns brachteil, wurde einer sorgfältigen Untersuchung unterzogen. Koffer, deren Eigentümer nicht anwesend waren, verschwanden. Noch abends, nach Dunkelwerden, als schon alles unter Deck sein sollte, konnte man beobachten, daß die Koffer, die noch an Deck standen, in Abwesenheit ihrer Eigentümer eingehend von den englischen Unteroffizieren und der Schiffsbesatzung untersucht wurden. Hierbei zeichnete sich besonders der Zweite Schiffsoffizier, ein Italiener, aus, der jeden an Bord kommenden Koffer erbrach und eigenmächtig durchsuchte. Den Erfolg dieser Maßregel konnte man in Southampton sehen, wo die englischen Unteroffiziere, die in Lagos mit einem Köfferchen all Bord kamen, rnit großen Kisten abzogen, denen mall es ansah, daß sie an Bord notdürftig zusammengepackt waren.
330 U war die übliche Temperatur in den Laderäumen der »OUrmsi.-.
Als von den Gefangenen Klage darüber geführt wurde, daß die ausgegebenen Mengen Wasser unzureichend seien, wurde ihnen vom Ersten Offizier des Schiffes geantwortet : "Von >vi11 lenrir to 66 tlrirst^!"
Die Verpflegung der Frauen und Kinder war so unzureichend, daß sie sich schon nach dem ersten Tage genötigt sahen, sich mit einer Beschwerde über das Essen an den Transportführer zu wenden, wenn sie nicht kläglich verhungern wollten. Sie erhielten nämlich 8 Uhr morgens Brot mit Obstmus, dazu Tee, mittags 12 Uhr ein verschwindend kleines Stück Fleisch mit Gemüse und Iams, hinterher etwas Pudding j abends um 5 Uhr wurde dasselbe gereicht wie morgens um 8 Uhr. Trotz erhobener Vorstellung und trotzdem Bestände davon vorhanden waren, wurde für die an Bord befindlichen Kinder von den Engländern keine Milch herausgegeben. Daß bessere Lebensmittel in genügendem Maße vorhanden waren, ist dadurch bewiesen, daß die Frauen täglich die