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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 91.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 56. 16.

Großherzogliches Amtsgericht A. 5.

Gegenwärtig:

Dienstverweser, Gerichtsassessor l)r. Welsch als Richter,

B. Gehrig,

als Gerichtsschreiber.

Karlsrilhe, den 8. Januar 1916.

Der auf Ladung erschienene Zeuge Missionar Karl Stolz gab nach Bekannt­machung mit dem Gegenstand der Vernehmung in angemessener Weise auf die Bedeutung des Eides hingewiesen wie folgt, an:

Zur Person: Karl Stolz, Teutschneureut, Bahnhofstraße 22/ Badener, geboren in Teutschneureut am 14. März 1867/ verheiratet mit Pantine, geb. Nainhard aus Malterdingen/ Missionar, z. Z. Pfarrverwalter in Teutschneureut. Besongabang, Bezirk Ossidinge in Kamerun, dort als Missionar seit August 1918.

Zur Sache: Am 2. Januar 1915 morgens 9 Uhr wurde mir ein von dem englischen Oberst unterzeichnetes Schreiben durch einen englischen Offizier,

Leutnant Roswlr, überbracht, durch welches mir eröffnet wurde, daß ich am 8. Januar morgens 7 Uhr nach Calabar weggeführt werde. Am 8. Januar morgens 7 Uhr erschien dann ein weißer englischer Soldat mit 25 schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr und führte mich, meine Frau und unsere gesamte Bedienung, bestehend in 1 Koch, 2 Knaben, 1 Mädchen und 1 vierjährigen schwarzen Kinde, zu Fuß bis

Ossidinge, wo dann noch 8 gefangene Deutsche, Reserveleutnant Jmmel, 1 Unter­

offizier und 1 Soldat unserer Truppe angeschlossen wurden. Der Weg bis hierher wurde in Stunden zurückgelegt. Daselbst verlangte ick für meine Frau eine .Hängematte, da mir in dem Schreiben des Obersten eine solche zugesagt war. Da

ich jedoch nur eine ganz schlechte und schmutzige Hängematte zur Verfügung gestellt erhielt und insbesondere weil die Tragestange nur 1'/? m lang und völlig unbrauchbar war, zimmerten wir einen Tragstuhl, auf welchem dann meine Frau von 4 schwarze» Trägern auf dem folgenden Marsch getragen wurde. Von Ossidinge kamen wir nach 8 Tagemärschen von je 5 bis 6 Stunden nach Nsanakang, von da wieder 1 Tag auf dem Fluß bis Obokum, dann von dort nach 6 ständigem Marsch nach Ikon, von Ikon in 8 Tagen mit Boot nach Calabar. In Calabar waren wir 14 Tage, dann wurden wir zu Schiff nach Lagos verbracht. Ich wurde in einem für Europäer bestimmten Gefängnisgebäude mit noch 2 Europäern untergebracht. Nach 5 Tagen 5. Februar wurde meine Frau aus einem englischen Dampfer nach Liverpool geschickt.

Am 6. Februar wurde ich mit den anderen gefangenen Deutschen nach Duala zu Schiff transportiert, wo wir mit 26 anderen Deutschen zusammentrafen und in dem Hanse der Basier Missionshandlung untergebracht wurden. Dort waren wir vom 11. Februar bis Ende April, wir wurden dann auf das Schiff »Hans Woermann« ver- bracht, welches zunächst noch 2 Wochen im Hafen von Duala liegen blieb und später nach Liverpool fuhr, wo nur am 16. Juni ankamen. An den ersten 8 Marschtagen wurde auf unsere körperlichen Bedürfnisse wenig Rücksicht genommen. So mußten