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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
Entstehung
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Auszugsweise Abschrift zu IV. 1708. 15.

Anlage 90.

Königliches Amtsgericht.

Elze (Hannover), den 1. Juni 1915.

Gegenwärtig:

Amtsrichter Ro bewald als Richter.

Aktuar Funke

als Gerichtsschreiber.

Es erschien nachbenannter Zeuge. Nachdem der Zeuge aus die Bedeutung des Eides hingewiesen war, wurde er, wie folgt, vernommen:

Ich heiße Ernst Quantz, prakt. Arzt, zur Zeit in Elze.

Dem Zeugen wurden seine schriftlich niedergelegten Aussagen vorgelesen. Er erklärte: Das ist so richtig. Ich mache sie zu meiner jetzigen Aussage.

Vorgelesen genehmigt,

leistete Zeuge den Zeugeneid.

gez. Rodewald. gez. Funke.

Am 18. Januar 1915 wurden wir etwa 400 deutsche Zivilgefangkne in Freetown au Bord des Hilfskreuzers r>I.aui-entio.r (14 000 1), gebracht, wo wir schon viele Leute aus Kamerun, Togo und der Goldküste, darunter etwa 50 Frauen und Kinder, vorfanden. Wir wurden dort in der 8. Klasse und im Zwischendeck untergebracht. Wir unter­standen einem sehr groben englischen Oberste>vui-ä, unter dem besonders die Frauen sehr zu leiden hatten, da sie, wie auch wir, nicht nur von ihm angeschnauzt wurden, sondern auch, wenn sie heißes Wasser oder Milch holen wollten, tätlich aus der Küche heraus­geworfen worden sein sollen. Er machte Schwierigkeiten, wo er konnte. Eine Frau Säuberlich aus Kamerun, die auch sehr unter ihm zu leiden hatte, da er nicht wollte, daß ihr Mann mit ihr zusammen (trotz Erlaubnis des englischen Schiffs- arztes, da sie in anderen Umständen war und dabei einen schweren ^jährigen Jungen bei sich hatte), war einmal so erregt, daß sie ihm das Essen mitsamt dem Teller vor die Füße warf. Sie war so aufgeregt, daß sich wehenartige Schmerzen im Leibe ein­stellten, sie mußte das Bett hüten, erholte sich scheinbar wieder, ist aber nicht lange Zeit nach ihrer Rückkehr angeblich an Unterleibsleiden in Deutschland gestorben. Alle unsere Beschwerden beim Kapitän waren ohne Erfolg, er versprach, scheinbar entgegen­kommend, die Sache zu untersuchen, ließ auch den Obersteward rufen, doch änderte dieser sein Benehmen nicht

Die Unterbringung in der 8. Klasse war genügend, im Zwischendeck etwas sehr eng. Die Verpflegung war eben genügend, oft etwas knapp. Aus dem Zwischen­

deck haben sich mehrere bei mir beschwert, sie seien nicht satt geworden Am letzten Tage erlebten wir noch eine sehr unliebsame Überraschung, indem aus dem Essen eine

halbe tote Ratte gefischt worden sein soll, ich habe auf mehreren Tellern nur noch

einige Hautfetzen mit kurzen grauen Haaren, die wohl von einer Ratte herstammen

konnten, feststellen können. Sonderbar ist es, wie eine solche von selbst in die ge­

schlossenen Kessel kommen konnte.