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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweis e Abschrift M ^V. IV. 2406. 15.

Anlage 87.

Großherzogliches Amtsgericht.

Gegenwärtig: Gerichtsassessor Weinaug als Richter,

Gerichtsgchilfe W. Krüger als Gerichtsschreiber.

Schwerin, den 20. Mai 1915.

Ladungsgemäß erschien die nachbenannte Zeugin. Die Zeugin, mit dem Gegen­stände der Untersuchung bekannt gemacht, wurde, wie folgt, vernommen, nachdem sie nach Hinweis auf die Bedeutung des Eides den Zeugeneid geleistet hatte.

Zur Person: Ich heiße Ella Frehse, Ehefrau des Pflanzers Gustav Frehse.

Zur Sache: Ich wohnte zur Zeit der Kriegserklärung mit meinem Manne auf der Farm bei Duala (Kamerun).

Im November 1914 wurde uns von dem Oberleutnant der Schutztruppe von Engelbrechten mitgeteilt, daß wir die Farm in nächster Zeit räumen müßten. Wir haben uns bald darauf in das deutsche Sammellager in Bare begeben. Nachdem wir hier etwa 8 Tage gewesen waren, erschienen die Engländer. Es wurde uns befohlen, uns binnen 2 Stunden marschbereit zu machen, es wurde uns nur gestattet, von unseren Habseligkeiten so viel mitzunehmen, wie ein Tropenkoffer faßte. Nach 2 Stunden begann der Marsch nach der etwa 2 Stunden entfernten Station Nkongsamba. Von Nkongsamba wurden wir mit der Bahn nach Nlohe und von da am nächsten Tage nach Bonaberi bei Duala gebracht, wo wir fast 4 Wochen blieben.

Von Duala wurden sämtliche Gefangenen durch den englischen Hilfskreuzer »l^nriremtle« nach Liverpool gebracht. Die Kabinen waren zwar äußerlich sauber, waren aber mit sehr vielem Ungeziefer (Wanzen, Läusen) behaftet und ohne Türen. Die Verpflegung war sehr schlecht, insbesondere waren die Eßgeschirre und das Essen sehr unsauber. In Liverpool wurden die Frauen und Kinder sogleich unter amerikanischen Schutz genommen. Nach einem Aufenthalt von 2 Tagen fuhren wir nach London. Von hier aus wurden wir (Frauen und Kinder) mit einem Dampfer nach Rotterdam gebracht, wo wir am 2. Februar d. I. eintrafen. Als wir vom Citphouse-Hotel in London abfuhren, wurden wir vom Pöbel durch Johlen und Steinwnrfe belästigt.

Vorgelesen genehmigt unterschrieben.

gez. Ella Frehse.

gez. Weinaug. gez. Krüger.

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