Auszugsweise Abschrift zu IV. 1400. 15.
Anlage 86.
Königliches Amtsgericht.
Anwesend: Amtsrichter Irion, Protokollführer Walz.
Ealw, den 80. März 1915.
Es ist aus Ladung erschienen und wird als Zeuge vernommen: Frau Mathilde Gehr, hier. Dieselbe wird nach Hinweis auf die Bedeutung des Zeugeneides und eindringlicher Ermahnung zur Wahrheitsangabe gemäß tztz 61, 62 Str. P. O. beeidigt und hierauf, wie folgt, vernommen:
Ich heiße Mathilde Gehr, geb. Müller, Calw, Missionarsehefrau. Ich war im August 1914 gerade ein Jahr in der Missionsstation Lobetal am Sauaga in
Kamerun, wo mein Mann schon seit vier Jahren als Missionar tätig war. Wir wohnten in einem der Basler Missionsgesellschaft gehörigen Hause.
Am 24. Oktober 1914 kamen die Engländer. Andern Tages morgens um
7 Uhr wurden wir mit zwei deutschen Posten, die inzwischen gefangengenommen waren l.Kaufmann Student und Matrose Fischer), auf einer Dampfpinasse nach Duala gebracht.
Mir waren dann bis 22. Dezember 1914 in Duala gefangen, lagen noch
14 Tage vor Duala aus dem englischen Schisie das uns dann über Lagos,
Accra nach Liverpool brachte.
Auf dem Transport zum Dampfer trafen wir mit unseren Männern
zusammen und beide Teile wunderten sich über das heruntergekommene Aussehen.
Unsere Männer sollten ihre Koffer selbst zur Ladestelle hinuntertragen. Der englische
Unteroffizier, welcher bei den Männern war (es war derjenige, welcher uns im Hause Akwa bewacht hatte), duldete nicht, daß Träger herbeigeschafft wurden, bis sich die
schwarzen Soldaten erbarmten und herumstehende Gaffer veranlaßten, die Koffer zu tragen.
Beim Überladen von einem kleinen Dampfer auf den großen Dampfer wurde nicht einmal eine Brücke zum Übersteigen, wie es doch allgemein üblich ist, an- gebracht. Die Männer mußten von einem Dampfer zum andern hinüberspringen.
Wir Frauen wurden auf die Arme genommen und so auf das andere Schiff hinüber- gegeben. Dies war insbesondere bei Frau Missionar Schwarz, die vor ihrer Niederkunft stand, sehr unangebracht. Auf dem Dampfer mußten wir in den
ersten Tagen in den Kabinen (Ehepaare waren je in einer Kabine untergebracht) essen. Es war uns lange Zeit nicht erlaubt, unser Wasser in die Kabinen zu tragen und uns dort zu waschen, wir mußten uns vielmehr, alle Frauen, in dem einen Waschbecken der Damentoilette waschen, und zwar ohne Seife und Handtuch. Die Abortverhältnisse waren sehr schlecht. In unserem Abort stand einige Zentimeter hoch Wasser, es hieß, die 8l6rvuräs haben die Vorrichtung selbst verstopft. Die Verhältnisse wurden erst besser, als man den Htervurds ein Trinkgeld versprach, wobei jeder 130 Schilling verlangte. Das Essen war wenig und schlecht, erst als man in die Nähe von England kam, wurde es etwas besser; das Geschirr war furchtbar schmutzig. Zu essen gab es: hartes Fleisch, eine Reissuppe mit brauner Brühe, auf der vielfach Würmer und Käfer schwammen, Brot gab es nur sehr wenig, man hatte meist den ganzen Tag Hunger; Milch gab es nur für Kinder, aber sehr ungenügend. 24 Stunden