Auszugsweise Abschrift zu /O IV. 1394. 15.
Anlage 83.
— 223 —
Königliches Amtsgericht.
Gegenwärtig:
Oberamtsrichter, Oberjustizrat v. Einsiedel als Richter,
Expedient Walther,
als Gerichtsschreiber.
Zwickau, den 10. April 1915.
Es erscheint bestellt Frau Olga Albrechtsen von hier. Sie wird von dem Zwecke ihrer Bestellung in Kenntnis gesetzt und erklärt, nachdem sie vorschriftsmäßig auf die Bedeutung und Heiligkeit der Eidesleistung hingewiesen worden war, was folgt:
Zur Person: Ich heiße Lina Olga, verehelichte Albrechtsen, geb. Hesse.
Ich wohne jetzt in Zwickau, zur Zeit der Kriegserklärung wohnte ich mit meinem Manne in Kribi (Kamerun).
Zur Sache: Als durch amtliche Depeschen bei uns bekannt wurde, daß der
.Krieg mit England ausgebrochen sei und die Befürchtung entstand, Kribi könne von den Engländern beschossen werden, ging ich am 10. August 1914 auf den Rat meines Mannes und der in Kribdaufhältlichen Offiziere zu meiner Sicherheit mit etwa neun Damen nach Buea. Dort blieben wir, bis am 12. oder 15. November die Engländer erschienen.
Bald nach ihrer Ankunft wurde uns von englischen Offizieren gesagt, wir würden in drei bis vier Tagen fortgebracht.
Etwa am 20. November wurde ich aufgefordert, das im Hafen liegende Schiff zu besteigen. Ich habe mich daraufhin dorthin begeben. Mit mir kamen anscheinend sämtliche Deutschen von Buea. Das Schiff war der englische Handelsdampfer Ich wurde mit etwa 300 Personen auf diesem Schiffe über Liverpool, London nach Rotterdam gebracht, von wo ich nach Dresden fuhr.
Während des Transports war die Verpflegung schlecht. Die erste Mahlzeit früh 8 Uhr bestand aus kaum genießbaren: Haferschleim und schlechtem Kaffee. Manchmal gab es auch verdorbenen Fisch. Die zweite Mahlzeit fand um 12 Uhr statt, es gab da verdorbenes Fleisch mit Brühe und meist Reis, in dem sich Maden befanden, so daß man vor Ekel nichts essen konnte. Die dritte und letzte Mahlzeit wurde abends 6 Uhr verabreicht. Sie bestand aus Brot, Butter, Marmelade, kleinen Fischchen, wie sie die Schwarzen bekommen, und Tee. Satt essen konnte man sich mittags nicht. Es fanden sich wohl in jedem Essen Maden oder Käfer. Verabreicht wurde das Essen auf beschmutztem Geschirr. Die Männer klagten regelmäßig, daß sie nicht satt zu essen bekämen. Die Männer waren schlecht untergebracht, je 40 bis 50 Mann in einem Raume, der etwa acht zu zehn Meter groß war.
Kurz nachdem ich das Schiff bestiegen hatte, wurden ich und die anderen Deutschen aufgefordert, von unserem Gelde alles abzugeben, was ein jeder von uns über 100 Mark besitze. Daraufhin habe ich 100 Mark abgeliefert, hierüber erhielt ich eine Quittung.
Vorgelesen genehmigt unterschrieben.
gez. Lina Olga Albrechtsen.
Die Zeugin leistete hieraus den Zeugeneid.
gez. v. Einsiede!. gez. Walther.
-- Oberamtsrichter.