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Auszugsweise Abschrift zu .D IV. 11l>7. 15.
Anlage 81.
Königliches Amtsgericht.
Berlin, den 24. März 1915.
'Gegenwärtig:
Amtsgerichtsrat Dr. Vlumcuthal als Richter,
Aktuar Grieben
als Gerichtsschreiber.
Es erschien die nackbenannte Zeugin. Die Zeugin, mit dem Gegenstände der Untersuchung bekanntgemacht, wurde, wie folgt, vernommen, nachdem sie den Zeugeneid geleistet hatte:
Ich heiße Fuchs, geb. Arudt, Charlotte, wohne in Berlin. Ich bin ver
heiratet mit Gustav Fuchs. Ich war zur Zeit der Kriegserklärung in Duala. Mein Mann war dort Materialienverwalter. Im September wurde Duala von den Eng
ländern und Franzosen belagert und am 27. September 1914 den Feinden übergeben.
Am 28. September wurden wir, Männer, Frauen und Kinder, auf einen Dampfer gebracht, und zwar von Weißen und Schwarzen. Von dem Dampfer wurden wir auf einen anderen Dampfer geführt, der nach Lagos fuhr. Wir wurden dort in einer
Gelbfieberstation untergebracht, später wurden wir noch mehr ins Innere transportiert. Dort blieben wir etwa 2 bis 3 Wochen. Von dort aus kamen wir dann wieder an die Küste und auf einen Dampfer, die »Odim8i«, der uns nach England überführte und zwar nach Southampton. Die Männer waren im Gepäckraum untergebracht. Es waren dort Lagerstätten hergerichtet worden. Die Männer hatten in der letzten Zeit vor der Ankunft in Southampton sehr über Kälte zu klagen. Das Essen auf dem
Dampfer war anfangs ungenießbar. Es wurde Fleisch, das schlecht war, über Bord geworfen j anscheinend hat der au Bord befindliche Arzt das Fleisch für ungenießbar erklärt. Das Trinkwasser war schlecht. Auf dem Schiff wurde von den Engländern erzählt, Deutschland wäre bald fertig. Das Geld war den Deutschen schon vorher auf der Fahrt nach Lagos abgenommen worden, aber nur das, was über 100 Mark war.
In Sonthampton wurden die Männer von den Frauen getrennt, wir Frauen wurden nach London gebracht und von dort am nächsten Tage nach Deutschland.
Vorgelesen genehmigt unterschrieben.
gez. Charlotte Fuchs, gez. vr. Blumenthal. gez. Grieben.
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