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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
Entstehung
Seite
219
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Anlage 80.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 2406.

Königliches Amtsgericht.

Gegenwärtig: Gerichtsasscssor Liedtke als Richter,

Amtsgerichtssekretär Gawehu als Gerichtsschreiber.

Es erschien die nachbenannte Zeugin. Sie wurde auf die Bedeutung des Eides hingewiesen und erklärte:

Zur Person: Ich heiße Johanna Engelke, geb. Meier, ich wohne in

Stettin. Ich bin verheiratet mit dem Ersten Maschinisten Gustav Engelke von dem Hilfskreuzer »Nachtigal«. Es verlautet, daß mein Mann mit diesem Dampfer gesunken wäre, ich weiß es aber noch nicht bestimmt.

Zur Sache: Um die Zeit der Kriegserklärung war ich in der Stadt Duala. Ich wohnte dort seit September 1911 mit meinem Manne. Eine Ausweisung erfolgte nicht, wir wurden festgenommen und abgeschoben. Ich kann nur sagen, daß die einge- borene schwarze Zivilbevölkerung sich amüsiert, uns verhöhnt und beschimpft hat, als ich und die anderen festgenommenen Weißen zum Dampfer gebracht wurden.

Alle Deutschen des Ortes, Frauen, Männer und Kinder, wurden herbeigeholt und zunächst in den Krankenhansgarten gebracht, wir wurden dann alle zusammen auf einen Dampfer geführt. Auf diesem blieben wir bis zum anderen Morgen/ er fuhr uns dann zu einem größeren Dampfer, wir mußten auf letzteren übersteigen, er brachte uns in 2^tägiger Fahrt nach der englischen Kolonie Lagos.

Ich hatte meine beiden Kinder mit. Die Verpflegung war schlecht. Wir bekamen z. B. Fleisch, das so stark roch, daß es fast keiner gegessen hat. Einen Entschuldigungs­grund für die schlechte Beschaffenheit wüßte ich nicht, es handelte sich um einen großen Frachtdampfer namens »Willrelwiim« (»Llininrr«), der Kühlräume gehabt haben dürfte. Wir bekamen sonst nur Tee und Brot mit ausgekochtem Fleisch.

Die Männer mußten auf Deck liegen, es wurde ihnen weder eine Unterlage noch etwas zum Bedecken zur Verfügung gestellt.

In Lagos wurden wir alle zusammen in ein Lager gebracht. In Lagos war ich insgesamt ungefähr 3 Wochen. Sämtliche gefangenen Deutschen wurden dann auf den Frachtdampfer »Oduasi« gebracht. Dieser fuhr lins in etwa 5 Wochen nach Southampton.

Die Verpflegung.war auch hier schlecht/ das Fleisch, das wir bekamen, roch fast immer. Jeden Morgen 8 Uhr gab es dicke Grütze, in der sich fast immer dicke Maden befanden. Morgens gab es ferner Tee mit Brot, auf dem öfters Marmelade war. Mittags gab es gekochtes Fleisch mit Eingeborenenkartoffeln, es war aber, wie gesagt, meist nicht genießbar. Nachmittags um 5 Uhr gab es wieder Tee mit Brot, auf dem meistens Maunelade war. Von Southampton kamen Frauen und Kinder, während die Männer zurückbehalten wurden, Mch kurzem Aufenthalt mit der Bahn nach London.