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Anlage 77.
Auszugsweise Abschrift zu IV. 2066. 15.
Urteilsauszug. Santa I sabc l, den 2. Juli 1914,
In Sachen gegen die Angeklagten 1. Nsnlmn (Stamm Samagunde), 2. bHünii (Stamm Samavenga) aus Akomaka, 3. Ilalon^o (Stamm Bapotlado) aus Ebian, 4. Oduim aus Enguelasich, 5. Onaim aus Jude, 6. Lnckrini aus Duluango (Komoe-Stamm), 7. Lnlrog-onann-o-ue aus Delphin (Stamm Samagunde), 8. Ltun aus Komata (Stamm Essassim), die sich alle in Haft befinden mit Ausnahme des I^nkoKorrmuSne, der auf freiem Fuße belassen ist, und 18 andere, die gerichtsabwesend sind, ist festgestellt:
1. Als die beiden Europäer, deutsche Untertanen, Bernhard Lehn ing und Gustav Arms, welche sich den Gefahren des Krieges, der augenblicklich auf Kameruner Gebiet spielt, entziehen wollten, auf unser Gebiet übertraten, nahmen sie zeitweise ihren Aufenthalt in der Ortschaft Ayameken zusammen mit einigen eingeborenen Trägern, welche sie zum Transport ihres Gepäcks und ihrer Waren mit sich führten. Da verabredeten die Angeklagten LalonZo, Lrndian, Olmna, Oiiaiia, bnrckrmr
und Lina zusammen mit den Gerichtsabwesenden (es folgen 17 Namen) und mit weiteren Personen, deren Namen nicht festgestellt werden konnten, so daß zusammen etwa 40 Leute beteiligt waren, in Kenntnis von vorstehenden Tatsachen durch Habgier und anscheinend auch um bestimmte Zwecke, für die ihnen ein Preis oder eine Belohnung versprochen war, zu fördern oder diesen Zwecken zu dienen, die benannten deutschen Untertanen zu töten und sich aller ihrer Effekten zu bemächtigen. Sie versammelten sich zu diesem Zweck in dem Dorfe Bise in der Nacht vor der Tat und verabredeten die Art und Weise, in der sie ihren verbrecherischen Plan ausführen wollten, und zwar unter Beistand des Angeklagten Nsudan, des Häuptlings von Ayameken. Nachdem sie so den Plan vorbereitet hatten, begaben sich die genannten Angeklagten nm oder 7 Uhr morgens am II. März in jenes Dorf, und es gingen 5 von denjenigen, die gerichtsabwesend sind, bekleidet mit der Uniform des englischen Heeres. Alle waren bewaffnet, einige mit Flinten, andere mit Buschmessern oder Lanzen, und sie betraten das Dorf schweigend und hinter den Häusern herum, teilten sich in 2 Gruppen, von denen die eine sich nach dem Zelt begab, in welchem der eine der benannten Deutschen, Bernhard Lehning, ruhig schrieb. Indem sie sich plötzlich und vom Rücken aus auf ihn stürzten, banden sie ihn, und in dieser Situation gaben diejenigen 5 Eingeborenen, die sick, wie oben bemerkt, in Uniform befanden, mehrere Schüsse auf ihn ab und brachten ihm so 4 Wunden bei, am Kopf, an der Brust und am rechten Arm, während die übrigen, die diese begleiteten, ihm auch noch verschiedene Wunden an verschiedenen Teilen des Körpers mit ihren Messern und Lanzen beibrachten. Sie ließen ihn tot liegen, beraubten ihn seiner Kleider und Papiere, des Bargeldes und der Effekten, die er bei sich hatte und bemächtigten sich alles dieses, und außerdem verstümmelte der eine von den Tätern, die englische Soldatenunisorm anhatten, mit Namen ^ssani, den Leichnam, indem er eine Hand und ein Ohr davon abschnitt und diese, in Bananen- blätter eingewickelt, an sich nahm. Während dieser Vorgänge bemächtigte sich die andere Gruppe dieser Angeklagten des Gustav Arms und, nachdem sie ihn mit Stricken, die
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