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Auszugsweise Abschrift zu IV. 1302. 15.
Anlage 76.
Königliches Amtsgericht.
Gegenwärtig:
Geh. Justizrat Malmrvs als Richter,
Justizallwärter Welcher
als Gerichtsschreiber.
Limburg, den 3. Mai 11115.
Aus Ersuchen war auf heute vorgeladen und erschienen der Herr Pater Lettenbauer von der Pallotinermission, zur Zeit in Limburg, um als Zeuge vernommen zu werden.
Herr Lettenbauer erklärte auf Befragen, nachdem er darauf hingewiesen war, daß er seine Aussage zu beeidigen habe:
Zur Person: Ich heiße Johann Lettenbauer, bin 37 Jahre alt, katholischer Religion, Pater der Pallotiner-Congregation, derzeit in Limburg, bis zum Ausbruch des Krieges in der Pallotinermission von Einsiedeln an, Kamerunberg stationiert.
Zur Sache: Am 30. November mußten wir auf schriftliche Anweisung eines Obersten aus Buea die Station verlassen, um uns nach Bietoria zu begeben.
In Victoria trafen wir nun die andern ausgewiesenen Europäer von Victoria und wurden mit diesen zusammen auf den Barredampfer »HuuLsu« gebracht. Auf diesem kleinen Dampfer wurden etwa 50 Personen transportiert. Wir lagen auf dem Lukeu- deckel, den Sonnenstrahlen ausgesetzt. '
Die NÜÄU88U« brachte uns nach Suelaba, 1^ Stunden von Duala entfernt.
In Suelaba wurden wir Kriegsgefangenen vom Kamcrunberg auf das Lazarettschiff gebracht Die hygienischen Einrichtungen waren durchaus ungenügend,
es fehlte an Reinlichkeit/ Bettwäsche erhielten nur einzelne Passagiere. Wir hatten nur wenig Leibwäsche bei uns, wir waren daher gezwungen, unsere Wäsche häufiger zu waschen. Das wurde uns teilweise dadurch verhindert, daß die 8t6^ard8 die Hähne abdrehten und die Schlüssel zur Leitung wegnahmen.
Das weiße Unterpersonal auf dem Dampfer, das uns Männer teilweise wie Verbrecher behandelte, hat uns wie bet der Entnahme voll Wasser wie auch sonst in jeder Weise zu schikanieren gesucht.
Auch bei der Verabreichung des Essens durch das weiße Personal ging es durchaus unreinlich zu. Messer, Gabel und Löffel und Eßnapf aus Blech konnten nie genügend gereinigt werden.
Die Verpflegung selbst war durchaus unzureichend, sehr häufig verdorben und ungenießbar.
Wir erhielten morgens eine Tasse Tee mit einem Stück Brot, das für den ganzen Tag reichen mußte, mittags amerikanisches lind australisches Gefrierfleisch und abends wieder Tee mit verschwindend wenig Jams.
Ich wurde mit den anderen Deutschen vom Kamcrunberge nach England gebracht. Dort kamen wir in das Konzentrationslager in Oueensferry. In Queensferry waren 254 Männer aus Kamerun in einem etwa 60 m langen und 20 m breiten Schuppen aus Stein untergebracht. In dem Raum standen 2 Heizkörper, trotzdem war es empfindlich kalt. Jede Person mußte sich einen Strohsack und ein Strohkissen holen, außerdem 2 wollene Decken, die aber nicht wärmten, auch schon gebraucht waren.
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