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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweise Abschrift zu ^.IV. 1643.15.

Unsere Gefangennahme in Lobetal, Edea.

Anlage 75.

Als die Engländer am 24. Oktober 1914 mit 7 Fahrzeugen den Sanaga und mit 3 den Quaqua heraufkamen, glaubten wir bestimmt, in Lobetal bleiben zu dürfen. In diesem Glauben standen wir auf der Veranda von Herrn Schwarz und sahen den da herfahrenden Kanonenbooten zu.

Meine Frau wollte geschwind in unser Wohnhaus zurückkehren, um etwas zu besorgen, kam aber atemlos zurück und sagte, unser Haus sei von schwarzen Soldaten umstellt und dieselben haben auf sie angelegt. Darauf wollte ich hingehen, traf aber schon im Hof und hinter der Schule Soldaten, die auf mich anlegten. Einer davon sprang aus, packte mich und sagte: "^ou ure ^ilsoukr!" Sofort stürzte sich

die ganze Schar auf mich, zog mir die Jacke aus und raubte mir Uhr, Geld und Schlüssel Ich fragte nach einem Weißen, worauf ich zu einem Offizier geführt wurde. In demselben Augenblick wurden auch die beiden Frauen und H. Schwarz angeschleppt. Auch sie wurden beraubt. Meiner Frau wollte ein Soldat die Brille herunternehmen, und nur weil sie sich energisch wehrte und der Offizier gerade dazukam, konnte sie sie behalten.

Von dem Offizier wurden wir dann zu 4 schwarzen Soldaten in ein Zimmer eingeschlossen. Da waren wir etwa 3 Stunden und mußten mit ansehen, wie die Soldaten stahlen Bei Dunkelheit gingen wir, auf unsere Bitte hin, geführt von

6 schwarzen Soldaten, in unser Haus zum Packen. Wir bekamen eine halbe Stunde Zeit. Aber schon war vieles, gerade Leibwäsche und Schuhzeug, geraubt.

Am 25. Oktober in aller Frühe waren wir marschbereit. Ich erhielt noch die Erlaubnis, Essen für die Gefangenschaft zu packen so viel ich wollte.

Nun wurden wir in die Barkasse transportiert/ diese fuhr bald ein Kanonenboot an und der Offizier ließ all die Lebensmittel hinüberbringen und wir hatten nichts. In dieser Barkasse waren auch 2 deutsche Poftenführer, die von den Eingeborenen übel zugerichtet waren. In Duala wurden wir mit anderen Deutschen interniert bei schmaler schlechter Kost und schamloser Behandlung. Die Engländer fanden es nicht unter ihrer Würde, uns "u dloock^ mod" und "sous of ditek" zu nennen.

Nach ! 4 Tagen sollten wir, meine Frau und ich, nach Lobetal zurückkehren. Den Zweck dieser Reise kennen wir nicht, denn zu packen gabs nichts mehr. Die Soldaten hatten Hab und Gut an die Eingeborenen verkauft

Einige Sachen, die wir noch vorfanden und nach Duala brachten, mußten wir dort lassen, da wir nur einen Koffer auf den Dampfer mitnehmen dursten und denselben auch noch selbst tragen mußten. Auf dem Schiff hatten wir unter der allgemeinen schlechten Behandlung, unter der schlechten Kost und Kälte zu leiden.

Ealw, Schulstraße 10, den 8. Februar 1915.

gez. Chr. Gehr.

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