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Anlage 74.
Auszugsweise Abschrift zu I V. 19U5. 15.
Kgl. Württ. Amtsgericht Gaildorf. Geschehen den 26. April 1915.
Anwesend:
Landgerichtsrat Bürger,
Protokollführer Schuppe!.
Auf Ersuchen wird heute als Zeuge vernommen Julie Schwarz, geb. Läßle, Ehefrau des Robert Schwarz, Missionars, z. Z in Mittelfischach. Die erschienene Zeugin, deren Identität durch ihren Ehemann festgestellt wird, wird nach vorschriftsmäßiger Beeidigung vernommen, wie folgt:
Zur Person: Namen, Bornamen: Schwarz, Julie, geb. Läßle; jetzige
Wohnung: Mittelfischach, O.-A. Gaildorf, Württemberg; Württembergische Staats
angehörige Zeit und Ort der Geburt: geboren zu Asperg, O.-A. Ludwigsburg, am 2 November 1888; verheiratet mit Robert Schwarz, Missionar von Cannstatt,
2 Kinder. Bei Kriegserklärung in Lobetal am Sanaga, Bezirksamt Edea, deutsche
Kolonie Kamerun.
Zur Sache: Bei meiner Gefangennahme am 24. Oktober 1914 in Lobetal durch schwarze Truppen der Engländer durfte ich mir nur das Notwendigste einpacken.
Mir haben die schwarzen Soldaten der Engländer gewaltsam die Ringe vvm
Finger gestreift.
Mein Mann und ich sowie unser Sohn wurden vorn 24. bis 25. Oktober 1914 in Lobetal in unserem Hause eingesperrt und als Gefangene behandelt
Ich sah, daß meinem Manne 2 Taschenuhren und sein photographischer Apparat weggenommen wurden, auch von unserem Weißzeug wurde entwendet und viele unserer Hühner und Enten
Im Sammellager in Duala wurden wir von den schwarzen Soldaten, auch von den Engländern schlecht behandelt.
In Duala war Waschgelegenheit schlecht, ebenso Kost und Verpflegung nicht gut: Konservenfleisch, Schiffszwieback, Kaffee, schmutzigen Reis, schlechte Fische, wenig Brot.
Die Behandlung seitens des Aufsichtspersonals war schlecht
Die Kinder der Internierten bekamen fast nichts zu essen. Bom schlechten Trink- Wasser sind fast alle Kinder auf dem Schiff krank geworden.
Vorgelesen genehmigt unterschrieben, gez. Julie Schwarz.
Zur Beurkundung
gez. Bürger, Landgerichtsrat.
gez. Schuppe!.