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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 73.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 1465.15.

Kgl. Württ. Amtsgericht Gaildorf. Geschehen, den 26. April 1015.

Anwesend:

Landgerichtsrat Bürger,

Protokollführer Schupp'el.

Auf Ersuchen wird heute als Zeuge vernommen: Robert Schwarz, Missionar, zur Zeit in Mittelfischach.

Der erschienene Zeuge, dessen Identität durch Sekretär Silber beim Amtsgericht hier festgestellt wird, wird nach vorschriftsmäßiger Beeidigung vernommen, wie folgt:

Zur Person: Name, Vorname: Schwarz, Robert/ jetzige Wohnung: Mittel­fischach, Amtsgerichtsbezirk Gaildorf, Württ. / Staatsangehörigkeit, Zeit und Ort der Geburt: Württemberger, geboren zu Cannstatt am 26. März 1880/ verheiratet, 2 Kinder/ Frau: Julie, geborene Läßle. Missionar, jetzt Pfarrverweser in Mittclfischach. Aufent­haltsort: Lobetal am Sanaga, Bezirksamt Edea, deutsche Kolonie Kamerun.

Zur Sache: Bei meiner Gefangennahme am 24 Oktober 1914 in Lobetal durch schwarze Truppen der Engländer durfte ich nur das Notwendigste einpacken. Wir kamen nach Duala, wo wir bis zum 22. November 1914 in einem Sammellager interniert waren. Ich wurde bei der Gefangennahme in Lobetal durch schwarze Sol­daten einem englischen Soldaten vorgeführt. Es wurde mir alles, was ich in den Taschen trug, auf dem Wege dorthin abgenommen. Dann wurde ich, meine Iran, unser 1 ^ Jahre altes Söhnchen Theodor und Missionar Christian Gehr samt Frau - zusammen in ein Zimmer der Missionsanstalt Lobetal gesperrt.

Meiner Frau haben die schwarzen Soldaten der Engländer gewaltsam die Ringe vom Finger gestreift. Missionar Gehr wurde der Rock mit Gewalt vom Leibe gerissen und auch seiner Frau der Ring vom Finger gestreift.

Ich und meine Frau sowie unser Sohn wurden vom 24 /25. Oktober 1914 in Lobetal in unserem Hause eingesperrt und als Gefangene behandelt. Am 25. Oktober kamen wir morgens auf den Transport nach Duala unter militärischer Bewachung.

Vor meiner Abreise von Lobetal entdeckte ich, daß verschiedene Vermögensgegen- - stände weggekommen waren. 2 Taschenuhren, 1 photographischer Apparat und Weiß- zeug wurden fortgenommen, desgl. von meinen Hühnern und Enten. Mein ganzer Vorrat an Konserven, Mehl, Reis usw. wurde beschlagnahmt.

Im Sammellager in Duala wurden wir von den schwarzen Soldaten und auch von den Engländern schlecht behandelt. Die katholischen Patres, die nach uns nach Lobetal kamen, benenne ich als Zeugen, daß die schwarzen Soldaten der Engländer die Fährnis verkauften.

Ein deutscher kriegsgefangener Unteroffizier, ein Kaufmann, der in Kamerun war und mit mir von Lobetal nach Duala verbracht wurde, hatte Verletzungen im Gesicht (ein blaues Auge). Er sagte mir, er sei bei der Gefangennahme von einer schwarzen Zivilperson, die im Dienst der Engländer stand, geschlagen worden.

Abortverhältnisse in Duala sehr schlecht. Waschgelegenheit in Duala ebenfalls sehr schlecht. Für 42 Personen 2 Waschbecken. Wenig Waschwasser. Die Verpflegung