Auszugsweise Abschrift zu IV. 2440. 15.
Anlage 72.
Königliches Amtsgericht Heilbronn.
Geschehen am 15. November 1915.
Anwesend:
Stellvertretender Amtsrichter Bach,
Protokollführerin Baechle.
Es erscheint auf Ladung Theodor Karl Schuckard, Heilbronn, Mönchseestraße 68, Württemberger, geboren am 20. November 1885 in Stuttgart, ledig, Missionar.
In Sakbayeme (Kamerun) von den Engländern gefangen gesetzt und nach England abgeführt.
Zur Sache: Auf der Fahrt von Edea nach Duala wurde ich mit Missionar Ziegler und Missionar Scheibler in Birsfelden (Schweiz), Nheinfelder Straße 22 (Schweizer Staatsangehöriger), im offenen Gepäckwagen befördert. Auf jeder Station beinahe hielt der Zug unterwegs, jedesmal standen die französischen Stationsbeamten da und machten sich durch Gebärden über uns lustig, indem sie Schwarze herbeiriefen und uns ihnen vorzeigten. Was sie gesagt haben, habe ich nicht verstanden. Doch war es unverkennbar, daß sie uns in den Augen der Schwarzen lächerlich zu machen versuchten.
Nach unserer Ankunft in Edea wurden die Männer in ein leeres Hospital geführt.
Die Männer, deren Frauen dabei waren, durften später zu ihren Frauen kommen, während ich und Missionar Scheibler in dem Hospital bleiben mußten. Ein französischer Sanitätssoldat, dessen Namen ich nicht kenne, der aber auch sonst sich unfreundlich gegen mich gezeigt hat, befahl uns, in eine Ecke zu gehen, wo wir uns auf unsere Kisten setzten und die übrige Zeit bleiben mußten, obwohl im ganzen Hospital ein einziger Leichtkranker sieb befand und überall Platz genug gewesen wäre.
Der Sanitätssoldat erklärte uns, daß wir unter keinen Umständen in dem Hospital übernachten dürften. Wir weigerten uns, das Hospital zu verlassen, wenn wir keine andere Unterkunft bekämen und baten, uns zu gestatten, in dem Missionshaus der Basler Mission in Edea übernachten zu dürfen. Letzteres wurde aber von dem Kommandanten rundweg verweigert. Nicht einmal ein Angestellter des Missionshauses durfte dasselbe betreten, um zurückgelassene Sachen zu holen. Wir hätten nicht gewußt, wo zu übernachten, wenn uns nicht ein Holländer angeboten hätte, in seinem Kaufladen zu übernachten.
Es wurde uns schließlich gestattet, bei dem holländischen Kaufmann zu schlafen, die Männer legten sich hinter den Ladentisch, die Frauen vor denselben. Vor der Tür stand ein schwarzer Soldat Wache.
In Duala hat ein englischer Offizier meinen Handkoffer untersucht und den Inhalt, bestehend aus Briefpapier, Wurst, einer kleinen Büchse Linsen und Seife an sich genommen mit der Bemerkung: »Das bekomme ich.« Einen Schein stellte er mir nicht aus.
Zur Durchsicht vorgelegt, genehmigt und unterschrieben, gez. Theodor Schuckard,
Missionar.
Nach Hinweis auf die Bedeutung des Eides beeidigt.
Zur Beurkundung, gez. Bach, G. A.,
siellv. Amtsrichter.
gez. Baechle.