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Auszugsweise Absckrift zu V. IV. 2108. 15.
Königliches Amtsgericht.
Gegenwärtig:
Landgerichtsrat Becht als Richter,
Protokollführer Hieber
als Gerichtsschreiber.
Anlage 70.
Welzheim, den 9. August 1915.
Es erschien der nachbenannte Zeuge. Der Zeuge, mit dem Gegenstände der Untersuchung bekannt gemacht, wurde wie folgt vernommen:
Zur Person: Ich heiße Gutbrod, Johannes, Plüderhausen in Württemberg, geboren in Undingen O. A. Neutlingen am 15. Januar 1873. Verheiratet,- Missionar, zur Zeit Pfarrverweser.
Zur Sache: Ich wohnte in Kamerun aus der Missionsstation Mangamba,
7 Stunden von der Küste Duala entfernt.
Es erfolgte Gefangennahme am 30. Oktober 1914. Ich wurde brieflich gerufen dem anrückenden englischen Offizier zu begegnen. 5 Minuten von der Missiousstation entfernt war die schwarze Truppe. Der Offizier nahm mich mit in das 5 Stunden entfernte Lager. Ich erhielt das Versprechen, am anderen Tage zurückkehren zu dürfen. Für Bett und Essen werde gesorgt, hieß es. Im Lager hätte ich nichts, nicht einmal ein Strohlager bekommen, wenn ich mich nicht auf das Versprechen des Offiziers berufen hätte. So bekam ich wenigstens eine Tragbahre, um mich daraufzulegen.
Die unwürdige Behandlung lag darin, daß ich im Lager in einer niederen, zu vorübergehendem Gebrauch errichteten Hütte wohnen mußte. Eine Wache von 4 schwarzen Soldaten bewachte mich, der ich tagsüber nur vor der Hütte auf und ab gehen durfte. Wurde ich zum Kommandanten gerufen oder zur Bahn geführt, so durfte ich nur von 2 Soldaten eskortiert gehen/ einer lies vorn, der andere lief hinten. Von den vier Soldaten war einer der Wachthabende, die anderen standen abweckslungsweise Posten. Der Transport vorn Lager in Susa nach Duala mit der Bahn ging in ähnlicher Weise vor sich. In Bonaberi kam ich in Begleitung eines Offiziers und 2 Soldaten mittags gegen 12 Uhr an. Der Offizier besuchte 2 Freunde. Ick saß und stand 1*/z Stunde unter der Veranda mit den beiden Soldaten.
3 Wochen war ich in Duala in einem Hause der Basler Missionshandlung mit
anderen Deutschen interniert. Von da gings auf den Dampfer (5 Wochen).
In Duala vom 2. November bis 22. November 1914. Auf dem Schiff im Hafen bis 2. Dezember, dann Abfahrt. Ankunft in Liverpool am 28. Dezember 1914. Am 29. Dezember mittels Bahn nach Qucensserry bis zum 5. Januar 1915.
In Duala hatten wir lzuletzt über 40 Leute) 1 Haus zur Benutzung/ zu viele Menschen beisammen. Mit Ausnahme der 3 bis 4 letzten Tage in Duala durften wir das Haus nur zur Verrichtung der Notdurft verlassen. Spazierengehen durften wir nicht.
Abortverhältnisse schlecht/ in Duala eine Grube im Hinteren Hof. Ein Soldat begleitete einen mit Bajonett und blieb in der Nähe stehen.
Waschgelegenheit in Duala bis auf die wenigen letzten Tage schlecht. Für etwa
40 Leute 3 Waschbecken. Erst durfte immer nur einer nach dem anderen mit einem
Soldaten in den Hos, um sich zu waschen. Wasser war in bescheidener Menge vorhanden.
Der Zeuge wird hierauf nach vorheriger Eidesbelehrung vorschriftsmäßig beeidigt.
Vorgelesen genehmigt unterschrieben.
gez. Johannes Gutbrod-
gez. Landgerichtsrat Becht. gez. Hieber, Protokollführer.
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