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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 69.

Auszugsweise Abschrift zu V. IV. 2103. 15.

Verhandelt im Kaiserlich Deutschen Konsulat zu Basel.

Basel, am 1. Juli 1915.

Vorgeladen erscheint der Missionar Johannes Ittmann und erklärt, mit dem Gegenstand der Verhandlung vertraut gemacht, folgendes:

Zur Person: Johannes Ittmann, Basel, Nonnenweg 62. Seit 8. April 1914 verheiratet. Missionar. Seit 1. Oktober 1911 in Kamerun (Missionsstation Mangamba), wo ich meinem Beruf als Missionar nachging, Ich wohnte in den der Basler Mission gehörigen Gebäuden in Mangamba (Bezirk Duala). -

Zur Sache: Die Bewohner der Missionsstation Mangamba wurden als Kriegs­gefangene erklärt und hatten innerhalb einer Stunde das Anwesen zu verlassen. Die schwarze Wachmannschaft in Dnala hat dem Zeugen und seinen Mitgefangenen des öfteren ohne Grund gedroht mit den Worten: slior ^ou.« Ebenso hat besonders

ein englischer Beamter namens etliche der Mitgefangenen bedroht mit den Worten : »Sie wollen mich um etwas bitten? Meine Pflicht wäre es, alle Gefangenen erschießen zu lassen.« Besonders dem Waffenmeister Glaser aus Potsdam und dem Laienbruder Peter der katholischen Mission aus Edea gegenüber hat?orv1 mit diesen Worten gedroht.

Auf dem Transport nach Dnala bekamen wir trotz Versprechens der Engländer von nachmittags 3 Uhr bis zum nächsten Nachmittag 5 Uhr nichts zu essen und zu trinken, auch mußten Männer und Frauen in einem Raume nächtigen. Die Behandlung und besonders die Verpflegung während der vierzehntägigen Haft in Duala war recht schlecht. Zum täglichen Waschen diente für alle Gefangenen eine Waschschüssel, diese stand mitten im Hofe und zu ihr wurden die Gefangenen einzeln durch eine schwarze Wache mit aufgepflanzten Seitengewehren geführt. In gleicher Art hatte jeder seine Notdurft an einem weithin sichtbaren Loche zu verrichten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dies nur geschah, um die Gefangenen in den Augen der Schwarzen herabzusetzen. Es war selten gestattet, die Kleider zu waschen- die Verpflegung war zwar ausreichend, aber schlecht. Sie bestand aus wurmstichigem Schiffszwicback, schimmligem und schlecht durch­gebackenem Brot, verdorbenen Heringen, Oorneä deet' und Tee. Von Engländern wurden wir Deutsche des öfteren »IHIooll^ mod« oder »8oii8 olbdlteli« genannt. Am schlechtesten aber erging es uns auf dem Schiffe das uns vom 22. November

bis 28. Dezember 1914 von Duala nach Liverpool brachte. Hier war die Kost nicht nur sehr schlecht, sondern völlig ungenügend. Verabreicht wurde des Morgens etwas Haferbrei, etwa ein Pfund Brot (meist schlecht gebacken und noch ganz heiß) und eine Tasse Kaffee, des Mittags eine Tasse Suppe, ein oder zwei Stückchen Uams (oft ver­dorben) oder Kartoffeln und ein Stück Fleisch, was fast durchweg geröchelt hat. Auch die Behandlung war schlecht, und zwar absichtlich. Als wir noch in der tropischen Hitze waren, wurde das Deck während der ersten Stunden des Vormittags abgeschlossen, und wir mußten in den heißen Gängen und Kabinen sein, als wir im kalten Gewässer fuhren, wurden wir schon früh herausgejagt. Während die schwarze und weiße Bewachungs­mannschaft auf dem Schiffe keinen Grund zur Klage gaben, benahmen sich die Ltervarcl-? aufs schändlichste. Besonders zwei von ihnen redeten die Gefangenen nur mit Schimpf­wörtern alt, z. B. (^tzrman sie waren Bestechungen zugänglich und verkauften

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