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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
Entstehung
Seite
198
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Anlage 68.

Auszugsweise Abschrift zu IV. 1037. 15.

Königliches Amtsgericht. Gegeuwärtig:

Gerichtsassessor Lösch Horn als Richter, Referendar Hansen

als Gerichtsschrciber.

Neuruppin, den 24. März 1915.

Es erschien der Missionar Wolfs zu Neuruppin und erklärte:

Zur Person: Ich heiße Valentin mit Vornamen, bin 39 Jahre alt, evangelisch, wohnhaft zur Zeit im Missionshaus zu Neuruppin.

Zur Sache: Als nach der Einnahme von Iabassi die deutsche Truppe sich zurückgezogen hatte, wurde der Weg für die Engländer zur Missionsstation Nyamtam frei.

Es war gerade um die Mittagszeit, als uns englische Soldaten durch unsere Mädchen angemeldet wurden. Als ich auf die Veranda trat, sah ich auch schon, wie farbige Soldaten ihre Gewehre auf uns anlegten. Nach der Einnahme Iabassis kamen etliche Kaufleute zu uns. Wir behielten sie daher bei uns als Flüchtlinge. Die farbigen Soldaten forderten uns auf, das Haus zu verlassen und auf den Hof zu treten) wir wurden förmlich gezerrt. Wir wurden gezwungen, ohne Kopfbedeckung in der

Mittagssonne zu stehen. Der Arzt der deutschen Truppe hatte uns aufgefordert, eine Rote-KreuzStation zu errichten. Gleich nach der Ankunft der Engländer wurden wir von deren Anführer aufgefordert, die Flagge herunterzunehmen. Die ärztlichen Instrumente und Medikamente wurden beschlagnahmt) um den bei uns weilenden verletzten Soldaten bekümmerte man sich jedoch nicht/ wir sahen ihn noch eine Woche später mit demselben Verband um den Kopf.

Der Anführer der Truppe, ein Oberst, es war derjenige, der das Kommando in Iabassi hatte, teilte uns mit, daß wir am nächsten Morgen mit nach Iabassi zu gehen hätten. Ich beschwerte mich über die Art und Weise, in welcher man die Missionsstation überfallen habe/ darauf erwiderte er mir, daß es uns nicht anders ergangen sei als den Missiouswerken in Belgien und Frankreich beim Einzug der Deutschen dort. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, daß ich Deutsch­amerikaner sei, antwortete er mir, daß er den Auftrag bekommen habe, alle Weißen ohne Ausnahme abzuführen

Gleich nach unserer Ankunft wurde uns unser sämtliches Vieh (Ziegen, Hühner und Enten) abgenommen. Auch unser Proviant wurde requiriert. Ich bat wiederholt um eine Qu'ttung, habe jedoch niemals eine erhalten. Vor unserer Abreise ersuchte ich einen der begleitenden Offiziere, doch dafür zu sorgen, daß farbige Soldaten nicht die letzten seien, welche vom Grundstück gingen, weil ich befürchtete, daß dann geplündert würde. Er sagte mir zu, daß Europäer als letzte vom Grundstück gehen würden, und daß ich unbesorgt sein könne. Als wir aufgefordert wurden, uns zum Marsch bereit­zumachen, wurden wir derart gedrängt, daß es mir in der Eile nicht möglich war, genügend Träger für das wenige Zusammengepackte zu erhalten. Ich sah mich genötigt, noch etwa 7 Kisten mit den übrigen Sacken, die ich zusammen in ein Zimmer gestellt