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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweise Abschrift zu IV. 2113. 15.

Anlage 65.

Königliches Amtsgericht.

Eharlottenburg, den 4. (September 1915.

Gegenwärtig:

Assessor Löwenstein als Richter,

B.G. Brachwitz

als Gerichtsschreiber.

Es erschien die nachbenannte Zeugin. Die Zeugin, mit dem Gegenstand der Untersuchung bekannt gemacht, wurde wie folgt vernommen.

Die Zeugin leistete den Zeugeneid.

Zur Person: Ich heiße Anna Berlohr, geb. Jacob. In Eharlottenburg, Ansbachcr Straße 22/23, Pension Schulz. Preußin. Geboren am 8. Juni l875 zu Stolp i. P. Verheiratet mit dem Negierungsbaumcister Karl Verlohr, zur Zeit in englischer Gefangenschaft in Wakcfield. Kinderlos. Ohne Beruf.

Zur Sache: Zur Zeit der Kriegserklärung befand ich mich nicht in England, sondern in Deutsch-Kamerun im Orte Bonaberi, wo mein Mann Direktor der Kamerun- Nordbahn war. Wir befanden uns dort seit dem 5. Dezember 1913. Wir wohnten dort im Hause der Eis nbahn-Gesellschaft.

Im Dezember 1914 ergaben sich die dort befindlichen Deutschen an dem Orte Bare einem Trupp Engländer. Hierbei wuchc den grauen je 2, den Männern je 1 Gepäckstück gelassen, der Nest wurde beschlagnahmt. Noch in unserer Gegenwart wurden die uns abgenommenen Gepäckstücke aufgebrochen und von den englischen Soldaten geplündert.

Wir wurden sodann nach Nkongsamba und von dort später nach Duala trans­portiert. In Duala wurden wir in Gefangenschaft gehalten, und zwar die Frauen im Hause der Basler Mission, die Männer in einer Faktorei. Unsere Bewachung geschah durch schwarze Soldaten. Da unsere Räume für die schwarzen Soldaten sichtbar waren es waren insbesondere keine Feustervorhänge, waren wir unter ständiger Kontrolle, was namentlich beim Auskleiden unangenehm empfunden wurde. Wir waren etwa 30 bis 40 Frauen und 10 Kinder.

Wir wurden mangelhaft, namentlich was tropische Verhältnisse anlangt, mit Büchsenfleisch, Büchsenheringcn, Tee, Kaffee, Weizenbrot mit Margarine, zuweilen auch mit Bultcr, ernährt, so daß ein englischer Arzt veranlassen mußte, daß wir wenigstens täglich eine undefinierbare Suppe und ab und zu etwas Fleisch erhielten. Es herrschte große Unsaubcrkcit, insbesondere wurden die Hafträume nicht gesäubert, auch bekamen wir ungekochtes Trinkwasser.

Unangenehm fiel häufig die Schimpferei auf den Deutschen Kaiser auf.

Am 5. Januar 1915 wurden wir auf den armierten Hilfskreuzer »lnu-eirtie« nach Liverpool eingeschifft und langten dort am 30. Januar an. Auf der Fahrt war über schlechte Verpflegung und Unsauberkeit zu klagen.

Die Behandlung durch die Schiffsmannschaft, insbesondere durch die war teilweise sehr schlecht. Beschwerden nützten nicht viel.

gez Frau Anna Verlohr. gez. Löwenstein. gez. Brachlvitz.

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