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Anlage 64.
Auszugsweise Abschrift zu IV". 568. 15. Santa Isabel, den 8. Januar 1915
Pflanzer I. M. C. de Haas, holländischer Staatsangehöriger, aus Manengoteng (Kamerun)-sagt aus:
Am i 1. Dezember 1914 wurde Bare von den Engländern besetzt. Alle an der Nordbahn in Gefangenschaft geratenen Europäer, einschließlich uns Holländern, wurden fortgeschafft und trafen nach mehrtägigem Aufenthalt in Nkongsamba am 18. Dezember in Duala ein.
Von unserem Transport wurden die Frauen leidlich, wir Männer sehr schlecht behandelt, und zwar Deutsche und Neutrale unterschiedslos. Wir Männer mußten in Nkongsamba auf dem nackten Zementboden schlafen, und erhielten unser Essen auf die Erde geworfen. In Duala waren Männer und Frauen in zwei verschiedenen Faktoreien untergebracht. Das Essen bestand fast ausschließlich aus .Handelsheringen und Brot, so daß wir Gefahr liefen, krank zu werden. Dazu kam bei den Männern, daß sie sich nur auf dem eng umgrenzten Faktoreihof bewegen, sonst aber nicht ausgehen durften/ das Klosett mußten wir mit den Eingeborenen teilen/ es war im höchsten Grade un- hygienisch. So verbrachten wir, Nichtkombattanten und gänzlich unbeteiligte neutrale Staatsangehörige, 3 Wochen in einer an schwere Strafhaft erinnernde Lage, dabei beständig von schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett bewacht.
Privateigentum wurde in keiner Weise respektiert. Mährend wir vor unserem Abtransport von Bare vor dem leitenden englischen Offizier antreten mußten,, wurden unsere Sachen von den Haussasoldaten geplündert. Koffer und Taschen, die wir später nachgesandt bekamen, waren ausnahmslos aufgebrochen oder aufgeschnitten und eines Teils ihres Inhalts beraubt. Dem Pflanzer Krumm die ck sind aus der Pflanzungskasse etwa 200 Mark von weißen Engländern gestohlen worden/ einem anderen Herrn kam in Duala seine Börse mit Inhalt abhanden/ wir fanden sie später unter dem Kopfkiffen des uns bewachenden englischen Sergeanten. Überhaupt zeigten die unteren militärischen Chargen der weißeil feindlichen Truppen das Bestreben, sich an fremdem Gut zu bereichern.
Einige Tage vor unserer Entlastung nach Santa Isabel wurde versucht, uns zur Unterzeichnung von Reversen zu veranlassen, in denen wir bestätigen sollten, daß wir in der Gefangenschaft eine einwandfreie Behandlung genossen hätten. Als wir dies verweigerten, drohte der betreffende Beamte, der englische l^olitieul Otlieei- von Duala, die nächsten Gefangenen würden nun aber noch viel schlechter behandelt werden. Ich speziell sollte zur Unterzeichnung des Reverses dadurch gezwungen werden, daß man die Ausstellung eines von mir für die Weiterreise erbetenen Ausweises über meine Staatsangehörigkeit von der Unterzeichnung abhängig machte/ als ich diese trotzdem ablehnte, wurde mir auch der Ausweis versagt.
Charakteristisch für die Methode der Engländer ist auch, daß der Generalstabsmajor WrlSUt in Nkongsamba die Deutschen versammelte, um ihnen Aufschluß über die Kriegslage in Europa zu geben, und dabei erklärte: Alles, was der Gouverneur von Kamerun über die Kriegslage verbreite, sei unwahr (is not true)/ der Krieg sei, praktisch genommen, für Deutschland bereits verloren.
Vorgelesen genehmigt unterschrieben, gez. I. M. C. de Haas.
Geschehen wie oben. gez. Dr. Olshausen, Legationsrat.