189
Auszugsweise Abschrift zu IV. 1825. 15.
Anlage 63.
Königliches Amtsgericht.
Gegenwärtig:
Gerichtsassessor Mei s eheider als Richter,
Kanzleigehilfe Haedrich
als Gerichtsschreiber.
Stendal, den 8(1. Juli 1915.
Es erschien die Ehefrau Jda Glamanu, geb. Bartsch aus Stendal, Hoock 14, und sagt aus:
Ich heiße Jda Glamanu, geb. Bartsch, geboren ane 5. März 1884 in Stendal, verheiratet mit dem Pflanzer Martin Glamanu.
Zur Zeit der Kriegserklärung befand ich mich mit meinem Ehemann in Mang in Kamerun. Mein Mann war als Pflanzer bei dem Syndikat für ölpalmenkultur angestellt.
Von Djunge mußte ich Anfang November weiterfliehen und ging nach Ndunge, dort kam mein Mann auch hin, da sich die Schutztruppe immer weiter zurückziehen mußte. Am 7. oder 9. Dezember 1914 wurden wir von englischen und farbigen Truppen gefangengenommen und nach Duala geführt. Die Fortführung erfolgte durch weiße und farbige Truppen. Wir wurden sowohl unterwegs wie auch später in Duala fortgesetzt von schwarzen Truppen bewacht.
Das Essen war geradezu miserabel.
Ich war im Gefangenenlager zu Duala von Anfang Dezember bis Anfang Januar.
Es gab des Morgens Brot mit Margarine und Tee. Mittags gab es minderwertiges Büchsenfleisch mit Brot. Knollengewächse durften wir uns gegen Bezahlung holen. Am Abend gab es Brot und Sardinen, die sehr minderwertig waren.
Das Aufsichtspersonal war rücksichtslos und kurz angebunden.
Über die Verhältnisse in Deutschland wurde Ungünstiges geredet. Es wurde gesagt, der Kaiser wäre verrückt und der Kronprinz verwundet. Die Rüsten wären auf dem Wege nach Berlin. Auch aus Frankreich wären die Deutschen längst wieder heraus.
Ich habe diese Fahrt*) gleichfalls mitgemacht. Die Darstellung des I)r. Häberlin ist in allen ihren Teilen wahrheitsgemäß. Ich wurde in Manbellion mit 4 Frauen und 2 Kindern auf einen Bahnwagen verladen in der Richtung auf Duala. Der Wagen hatte keine Bremsvorrichtung. Es sollen verschiedene Herren den englischen Offizier darauf aufmerksam gemacht haben, daß die Fahrt ohne Bremsvorrichtung unmöglich stattfinden könne. Der Offizier soll jedoch gesagt haben, die Schwarzen hielten den Wagen. Auf dem Wagen nahmen mehrere Schwarze mit aufgepflanztem Seitengewehr Platz. Der Wagen nahm, sobald er von den Stricken losgelöst war, eine unheimliche Schnelligkeit an. Wir erkannten sofort, daß unser p'eben sehr gefährdet war und fingen an zu schreien. Besonders an den Kurven war die Sache sehr lebensgefährlich. Ich bin auf der Station Manengole abgesprungen zusammen mit Frau
*) D. h. die in Anlage 62 von Iw. Häberlin geschilderte.
48