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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweise'Abschrift zu P. IV. 1157. 15.

Anlage 59.

Königliches Amtsgericht.

Abteilung 8. 8 L K 2. 245. 15.

Gegenwärtig: Amtsgerichtsrat Weseuer als Richter,

B. H. A. Schmitt

als Gerichtsschreiber.

Wiesbaden, den 30. März 1915.

Es erschien in dem heutigen Termine Frau Luise Feldmann von hier.

Dieselbe wurde, nachdem sie auf die Bedeutung des Eides hingewiesen war, wie folgt, vernommen:

Zur Person: Ich heiße Luise Feldmann, wohne in Wiesbaden, Drudenstr. 0, bei meinen Schwestern Hahn, bin geboren am 15. Februar 1887 in Wiesbaden, verheiratet mit dem Pflanzungsleiter Karl Feldmann. Ich habe ein Kind im Alter von 13 Monaten.

Zur Sache: Zur Zeit der Kriegserklärung hielt icb mich mit meinem Mann und Kind auf der Pflanzung Isongo, Post Victoria, in Kamerun auf. Die Pflanzung Isongo ist eine Zweigpflanzung der westafrikanischen Pflanzung Vibundi in Bibundi. Unsere Wohnung befand sich in dem Haupthause der Pflanzung.

.Etwa am 18. November bin ich mit Erlaubnis des englischen Komman­danten und nachdem ich mein Ehrenwort gegeben hatte, nichts gegen die Engländer zu unternehmen lind meinen Wohnort nicht zu verlassen, unter Begleitung von Schwarzen von Victoria nach Isongo abgereist. Mein Mann erzählte mir, daß, während er mich vorher nach Victoria gebracht habe, Engländer auf der Pflanzung Isongo gewesen wären, von hier die beiden Assistenten fortgeholt, in unserem Hause alles durchsucht, zum Teil die Behältnisse aufgebrochen sowie allen Proviant mitgenommen hätten. Das Service und Porzellan sei in einem Tischtuch eingewickelt gewesen. Es sei dieses alles durch englische Soldaten geschehen, die direkt von dem Schiff zu der an der Küste gelegenen Pflanzung gekommen seien. Mitgenommen sei sogar die zur Ernährung für mein Kind bestimmte Büchsenmilch.

- Am 1. Dezember erschien . . . ein Kriegsschiff und holte meinen Mann, unser

Kind und mich nebst den 4 Koffern ab. Von unserer Abreise aus Isongo

morgens um 10 Uhr bis zum andern Morgen um 8 Uhr wurde uns weder auf dem Kriegsschiff noch auf dem Transportschiff etwas zu essen oder zu trinken gegeben. Wenn nur danach verlangten, wurde uns gesagt, man habe keine Zeit Für mein Kind hatte

ich Milch aus Isongo mitgebracht.

Die Bettwäsche wurde während der Fahrt von Kamerun nach England nicht

gewechselt. Aus unserer Wohnung in Isongo sind, wie ich bereits mitgeteilt habe,

die vorhandenen Lebensmittel und einige Hühner und Enteu von englischen Soldaten weggenommen. Gesehen habe ich sodann, während ich noch im Krankenhause zu Victoria war, von meinem Zimmer aus, wie englische Soldaten, schwarze und weiße, aus dem Hause eines Deutschen einen Haufen von Gegenständen in Säcken heraustrugen, in einen Eisenbahnwagen luden und dann abfuhren. Was die Säcke enthielten, habe ich nicht

gesehen. Es handelte sich um das Haus der Basier Mission.

Der Frau Feldmann wurde vorstehendes Protokoll zum Durchlesen vorgelegt. Nachdem sie es durchgelesen hatte, erklärte sie, daß sie den Inhalt des Protokolls in allen Punkten genehmige. Sie hat darauf ihre Aussage vorscbriftsmäßig beeidigt.

gez. Wesener. gez. Schmitt.