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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 51.

Auszugsweise Abschrift zu IV. N81. 15.

Königliches Amtsgericht Elze (Hannover).

Gegenwärtig:

Amtsrichter Nodewald als Richter,

Aktuar Funke

als Gerichtsschreiber.

den 24. März 1915.

Es erscheint die Ehefrau Helene Liedtke aus Gronau und erklärt das Folgende:

Zur Person: Liedtke, Helene, geb. Strube. Gronau (Hann.), Preußen/ geb. 6. November 1888, verheiratet, keine Kinder. Ehefrau des kaufmännischen Leiters der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Viktoria, Hauptsitz Berlin.

Zur Sache: Zur Zeit der Kriegserklärung auf der Reise nach Kamerun, vor Las Palmas. Am 28. August sind wir in Victoria unbehelligt angekommen. Am 1. Dezember 1914 wurden wir gezwungen, ein englisches Schiff zu besteigen, mit dem wir zunächst nach Duala befördert wurden.

Von einem englischen Marinesoldaten, der mir versprochen hatte, mein Haus zu bewachen, wurde ich bestohlen. Er stahl mir unter anderem Wäsche, Madeirasachen, Elfenbein-, Silber- und Nickelsachen, Rasierapparat meines Mannes, Proviant und Getränke. Den Namen des Engländers kenne ich nicht.

Zu mir sagte ein englischer Offizier, daß es richtiger sei, alle deutschen Frauen auf eine Insel zu schleppen, damit der Deutsche Kaiser keine Soldaten mehr hätte und Frauen in anderen Umständen sollte man einfach hängen. Überhaupt wurde über den Deutscheil Kaiser und die Regierung geschimpft.

Die Behandlung, besonders vor den Augen der Schwarzen, war nichtswürdig. Die Verpflegung in Duala war unvollkommen, einmal nicht reichlich und zum Teil auch ungenießbar. In dem Zwieback, den wir bekamen, waren Maden. Zwieback und Reis reichte uns ein Neger, der sehr schmutzig war. Den Reis reichte er uns mit seinen schmutzigen Fingern und den Zwieback legte er einfach auf die Erde, auf den Zementfußboden. Auf dem Schiff, mit dem wir nach England gebracht wurden, war die Verpflegung nicht besser. Wir bekamen morgens Haferspeise mit Stockfisch, der aber ungenießbar war, mittags Suppe mit Maden und Fleisch, das absolut nicht zu beißen war, dann noch eine Art Kartoffel, die sehr schwer zu verdauen ist. Abends gab's entweder Hering und Sardinen (beides war vollständig minderwertige Ware) oder Marmelade und Brot mit Tee.

Reine Wäsche und Tischtücher haben wir selten gehabt. Am 28. Dezember kamen wir in England an, und zwar in Liverpool.

Aus dem Wege vom Dampfer zum Heim wurden wir, die wir im offenen Wagen gefahren wurden, von der Jugend mit toten Ratten, die sie erst im Schmutz herumgedreht hatten, und mit Steinen beworfen. Die Polizei tat nichts dagegen.

Zwei Koffer hat mein Mann, ich habe drei Koffer packen dürfen. Alles andere mußte am Orte bleiben.

Vorgelesen genehmigt unterschrieben, gez. Helene Liedtke.

Zeugin leistete den Zeug'eneid.

Beglaubigt.

gez. Rodervald.

gez. Funke.