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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweise Abschrift aus 257.15. 2. V. 1.

Anlage 50.

Kriegsministerium.

Militäruntersuchungsstelle für Verletzungen des KriegSrechts.

Gegenwärtig:

Kriegsgerichtsrat Dr. Linde als Richter, Kalkulator Scholz

als Gerichtsschreiber.

Berlin, den 25. Januar 1915.

Es erschienen auf vorhergegangene Ladung nachbenanntc Zeuginnen. Diese wurden mit dem Gegenstände der Vernehmung bekanntgemacht, auf die Bedeutung des Eides hingewiesen und sodann einzeln und in Abwesenheit der später abzuhörenden Zeugen vernommen:

1. Frau Will Höft. Sie erklärte:

Zur Person: Ich heiße Wilhelmine, bin geborene Heilmaier, katholisch, 84 Jahre alt.

Zur Sache: Mein Mann ist Kaufmann und schon 15 Jahre lang in Kamerun. Für die Westafrikanische Pflanzungsgesellschaft Viktoria ist er dort seit einem halben Jahre tätig. Wir wohnten in Viktoria.

Etwa am 26. oder 27. November kam eine englische Flotte mit einem französischen Kriegsschiff an und beschoß wieder Viktoria und Kakaohafen. Sie landeten Truppen und besetzten beide Orte. Die Truppen, und zwar nur weiße Engländer, brachen in die Wohnungen ein und raubten sie aus. Sie stahlen Silber- und Goldsachen, ent­wendeten Geld und Wertgegenstände. Viele Häuser wurden ganz ausgeraubt. Auf Beschwerde beim englischen Befehlshaber erklärte dieser, das sei der Krieg, das käme so im Kriege vor.

Am 1. Dezember wurden-wir, alle Deutschen aus Kakaohafen und Viktoria, Männer, Frauen und Kinder, auf dem Dampfer nach England eingeschifft,

trotz der früher gegebenen Versprechungen, daß man uns auf unser Ehrenwort hin freilassen würde.

Vorgelesen genehmigt unterschrieben, gez. Frau Wilhelmine Willhöst.

Die Zeugin -wurde vorschriftsmäßig vereidigt.

Geschlossen, gez. Scholz.

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