Anlage 49.
Auszugsweise Abschrift zu IV. 1397. 15.
Königliches Amtsgericht Berlin-Mitte.
Abteilung 92 . ' Berlin, den 16. April 1915.
Gegenwärtig:
Gerichtsassessor Dr. Hamburger als Richter,
B. G. Zernickow
als Gerichtsschreiber.
In dem anberaumten Termin erschien als Zeugin Frau Elfe Herbst.
Die Zeugin wurde auf die Bedeutung des Eides hingewiesen und erklärte:
Zur Person: Elfe Herbst, geb. Ziegler, Berlin, Mariannenplatz 13,
geboren am 20. Mai 1880 in Ruhla in Thüringen, verheiratet mit dem Oberleutnant a. D. Leo Herbst.
Zur Sache: Zur Zeit des Kriegsausbruchs hatte mein Mann seinen Wohnsitz
in Bota bei Victoria (Kamerun). Mein Mann war dort als Pflanzungsinspektor bei der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria angestellt.
Ich war inzwischen aus einige Minuten in Begleitung eines englischen Sergeanten in unser Haus zurückgekehrt, um meinen Hund zu holen. Schon bei diesem Besuche fiel mir auf, daß Wertgegenständc fehlten. Als ich später in meine Wohnung zurückkehrte, stellte ich fest, daß eine größere Anzahl von Wertgegenständen abhanden gekommen sei. Es sind dies Gold- und Silbersachen im Gesamtwerte von 950 Mark.
Als ich das Haus bei Beginn der Beschießung verließ, blieb niemand im Hause zurück. Auch die Schwarzen flohen. Es.war ein Verbleiben im Hause auch gar nicht möglich, da in - der Nähe befindliche Häuser in Brand geschossen waren, so daß das Verbleiben im Hause lebensgefährlich war. Ich halte es für ausgeschlossen, daß während der Beschießung diese Sachen durch Schwarze gestohlen worden sind, da diese große Furcht hatten und noch vor uns geflohen waren. Vielmehr kann der Diebstahl nur durch englische Soldaten, und zwar nach meiner Anficht durch englische Marinesoldaten, die in Bota gelandet wurden, ausgeführt worden sein. Zwischen dem Zeitpunkt, in dem ich das Haus verließ und dem Zeitpunkt, in dem ich in Begleitung des englischen Sergeanten auf kurze Zeit meine Wohnung wieder betrat, waren mindestens drei Stunden vergangen. Etwa eine Stunde, nachdem ich das Haus verlassen hatte, wurden englische Marinesoldaten gelandet. Diese zogen durch den ganzen Ort und besetzten ihn. Sie hatten in den zwei Stunden, in denen meine Wohnung unbeaufsichtigt und unbewacht geblieben war, vollauf Zeit und Gelegenheit, Diebstähle auszuführen. Alle Sachen lagen frei in der Wohnung herum und waren für jeden Eintretenden sofort sichtbar.
Vorgelesen genehmigt unterschrieben, gez. Frau Elfe Herbst.
Die Zeugin leistete den Zeugeneid.
gez. Dr. Hamburger. gez. Zernickow.