Anlage 48.
Auszugsweise Abschrift zu !V. 1401. 15.
Königliches Amtsgericht.
Gegenwärtig: Amtsrichter Thomale als Richter,
Referendar Piechowski
als Gerichtsschreiber.
Polkwitz, den 12. April 1915.
In dem anberaumten Termin erschien Fräulein Erna Liebeherr aus Polkwitz. Die Erschienene ist dem Richter bekannt.
Sie erklärte folgendes zu Protokoll:
Zur Person: Ich heiße Liebeherr, Erna, bin aus Polkwitz, Kreis Glogau. Zur Zeit des Beginns des Krieges hielt ich mich in Buea (Kamerun) auf. Ich war dort Erzieherin beim stellvertretenden Gouverneur, Geheimen Regierungsrat Füll.
Zur Sache: Am 15. November 1914 erschienen die Engländer vor Buea in einer Stärke von ungefähr 1200 Gewehren. Buea wurde ohne Kampf noch an demselben Tage übergeben.
Wir, d. h. Frau Geheime Regierungsrat Füll, ihre beiden Söhne im Alter von 4 und 8 Jahren und ich, mußten am nächsten Tage auf Befehl der Engländer in ein kleines, nur 4 Räume ausweisendes Häuschen übersiedeln, in dem schon 4 Kaufmannsfrauen aus Kribi sich befanden. Die Anweisung zur Übersiedelung in dieses kleine Haus erfolgte mittags um 1 Uhr.
Es wurde uns darauf bedeutet, daß wir in einer Stunde das Haus räumen sollten, jedoch erlaubt, unsere bewegliche Habe mitzunehmen. Wir erklärten, daß wir zur Übersiedelung mindestens 2 Stunden brauchten. Als wir ungefähr eine halbe Stunde beim Packen waren, erschienen schwarze Soldaten, die uns durch Zusehen und höhnische Zurufe belästigten.
Die schwarzen Soldaten, namentlich die Träger, bildeten eine dauernde Gefahr für die weißen Frauen, so daß wir uns z. B. nicht aus dem Hause Hinaustrauten.
Am 26. November wurden wir zu Fuß nach dem etwa ^ Stunden entfernten Soppo gebracht. Von Soppo ging es mit der Bahn nach Victoria. Am nächsten Tage um ^6 Uhr sammelten wir uns am Kai und wurden auf Booten auf einen Dampfer (Barredampfer »Huri88a«) eingeschifft und fuhren nach Duala, wo wir nach mehrstündiger Fahrt ankamen. Wir legten in Duala an der Landungsbrücke an und wurden nach zweistündigem Warten auf das Schiff gebracht. Auf der
trafen wir wieder eine große Anzahl Deutscher aus Buea und Umgegend. Am 29 Dezember erreichte unser Schiff Liverpool.
Es ist mir aufgefallen, daß die Mitglieder der Basier Mission, die ihrer Staatsangehörigkeit nach Deutsche waren, sehr unhöflich und grob behandelt wurden. Einen Grund hierfür habe ich nicht erfahren können.
Das Essen auf dem Schiff war schlecht. Wir bekamen zum ersten Frühstück eine Art Haferscklei'mbrei, der nach nichts schmeckte. Hinterher gab es Kaffee mit Brot und