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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweise Abschrift zu IV. 1016. 15.

Anlage 46.

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Königliches Amtsgericht.

.Halberstadt, den 19. März 1915.

Gegenwärtig:

Amtsgerichtsrat Wahnschaffe als Richter,

Referendar Mohr

als Gerichtsschreiber.

Es erschien Frau Martha (Elfe) Kurtzahn, zur Zeit in Halberstadt.

Die Zeugin wurde mit dem Gegenstand der Untersuchung bekannt gemacht, auf die Bedeutung des Eides hingewiesen und vernommen wie folgt:

Zur Person: Ich heiße Kurtzahn, Martha, genannt Elfe, geb. Boß, Ehe­frau des Gouvernementssekretärs Theodor Kurtzahn, wohnhaft in Kribi, zuletzt in Buea in Kamerun, jetzt in Halberstadt, Westerhäuser Straße 21.

Zur Sache: Zur Zeit der Kriegserklärung war ich in Kribi in Kamerun. Mein Mann. war seit Oktober 1913 wieder in der Kolonie Kamerun, und zwar dies­mal in Kribi als Kolonialbeamter tätig. Ich selbst bin erst im März 1914 meinem Manne dorthin gefolgt.

Bon Kribi sind wir am 15. August 1914 (zusammen 10 Frauen und mein Mann, als Kranker) nach Buea, also mehr ins Innere des Landes, aufgebrochen. Am 15. November 1914 erfolgte die Übergabe von Buea. Wir erhielten Bescheid, inner­halb 8 Tagen den Ort zu räumen.

Als in dieser Zeit Frau Neßler, ebenfalls eine Sekretärsfrau aus Buea, und ich in einem Hause allein waren, kam ein schwarzer Senegalschütze zur Treppe des Hauses hinauf an die Veranda. Er verlangte von uns Geld und machte, als wir ihm dies verweigerten, dabei mit der Hand die Bewegung des Halsabschneidens. Er sagte dabei "I kill ^on" (Ich schlage Euch tot). Ich wandte mich sofort an einen englischen Sanitätsfeldwebel, der in der Nähe war/ dieser erklärte, für die Bestrafung des Schwarzen Sorge tragen zu wollen, und verschaffte uns durch Aufstellen eines Postens Schutz. Eine Frau Rohrbeck hat mir erzählt, sie sei ebenfalls von Schwarzen bedroht worden.

Am 24. November 1914 verließen wir zu ungefähr 80 Personen, die Herren zu Fuß, Frauen und Kinder mit der Bahn, Buea und erreichten über Soppo Viktoria. Dort wurden wir zuerst auf einen kleinen französischen Dampfer geführt, der uns bis Duala brachte. In Düala kamen wir auf den großen englischen Dampfer mit dem wir nach Liverpool kamen. Die Behandlung und die Verpflegung auf diesem englischen Dampfer ließen sehr zu wünschen übrig, namentlich im Anfang. Morgens bekamen wir abwechselnd Haferflocken, Fisch und Brot Mit Marmelade. Der Haferbrei war meist nicht gar, der Fisch meistens schlecht/ er roch sehr stark und war ungenießbar. Mittags gab es den schlechtesten Reis, halb gargekocht, mit Maden und Mehlwürmern, und übelriechendes Fleisch oder Fisch, der gleichfalls fast ausnahmslos schlecht war. Abends gab es Brot, Tee und 1^ Stück ganz billige Olsardienen. Das Essen war, was die Menge anlangt, fast stets unzureichend.

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