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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweise Abschrift zu I V. 1618. 15.

Anlage 44.

Königliches Amtsgericht.

Gegenwärtig:

Amtsgerichtsrat Dr. Ritter als Richter,

Aktuar Berg er

als Gerichtsschreiber.

Dresden, den 20. März 1915.

Es erscheint aus Ladung Frau Johanne verehelichte Eifler in Hellerau. Sie wird mit dem Gegenstände ihrer Vernehmung bekannt gemacht, darauf hingewiesen, daß sie ihre Aussage werde beschwören müssen, und über die Bedeutung des Eides belehrt. Sie sagt aus:

Zur Person: Ich heiße Johanne Emilie Helene verehelichte Eisler, geborene Krause, wohne in Hellerau bei Dresden, am 25. März 1892 in Zwickau in Sachsen geboren, verheiratet mit Regierungsbaumeister Oo. Eifler, bei Kriegsausbruch waren wir in Buea.

Zur Sache: In der Zeit vom 15. bis zum 24. November 1914, während Buea besetzt war, waren sehr viele schwarze Soldaten dort, kamen in die Grundstücke, wo sie auch einquartiert wurden und stahlen alles, was ihnen vor die Finger kam. Englische und französische Offiziere waren zwar da, kümmerten sich aber um das Verhalten der schwarzen Soldaten nicht, ob aus Nachlässigkeit oder aus Zeitmangel, weiß ich nicht.

Ich wurde einmal nachmittags vier Uhr auf der Straße von einem Trupp Haussa- leute angepackt und hin und her gezerrt. Auf mein lautes Schreien kam ein englischer Arzt hinzu, nahm mich in Schutz und gab nur einen Posten bis zu meiner Wohnung mit.

Auch auf dem Schiff auf hoher See wurden wir von schwarzen

Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett bewacht Die Verpflegung auf dem Schiff war ganz unbeschreiblich. Wir bekamen dreimal täglich zu essen, früh einen Haferbrei, der immer kalt und sehr oft mit Maden durchsetzt, oft nicht gar gekocht war/ dazu erhielten wir Tee, in dem alle möglichen Sachen, Holz, Stoffetzen, Seife herumschwammen. Zu Mittag bekamen wir, außer Sonntags, Reis mit sehr viel Maden und Rüsselkäfern und oft verdorbenes Fleisch, danach hin und wieder einen Sagobrei ohne Gewürz. Abends bekamen wir Brot und Hlsardinen, Tee und ab zu Oorneä Ireef. Manchmal war das Essen auch nicht reichlich genug. Sonntags war es normal. Die Frauen und Kinder durften beim Essen sitzen/ die Männer dagegen mußten trotz hohen Seegangs stehen.

In England, von Liverpool bis Tilbury, sind wir auf der Straße vom Publikum sehr belästigt, mit Steinen, toten Katzen beworfen, angespuckt worden. Namentlich in Liverpool waren wir dem Pöbel ausgesetzt.

Die Wirtschaftsräume meiner Wohnung in Buea, die durch einen Gang mit dem Hause verbunden waren, sind von schwarzen Soldaten vollständig ausgeplündert worden.

Von meinem Gepäck ist ein Koffer und der Wäschesack in der Nacht von dem französischen nach dem englischen Schiff gestohlen worden/ auf dem ersteren habe ich sie noch gesehen.

Vorgelesen genehmigt mitunterschrieben, gez. Frau Johanne Elfter-

Frau Eifler leistet hierauf den Zeugeneid.

(I.. 8.) gez. vr. Ritter. gez. Aktuar Berget,

Gerichtsschreiber.

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