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Auszugsweise Abschrift zu I V. 723. i5.
Anlage 43.
Gegenwärtig: Augsburg, den 13. Februar 1915.
1. Kriegsgerichtsrat Müller,
2. Militärgerichtsschreiber 9bhr.
Es erscheint die nachbenannte Zeugin und wird wie folgt vernommen:
Zur Person: Ich heiße Elisabeth Füll, bin 33 Jahre alt, protestantischen Glaubens, Ehegattin des Geheimen Regierungsrats und 1. Referenten des Gouvernements in Kamerun, gebürtig aus Hafenlohr in Unterfranken, wohnhaft in Augsburg, Hermannstraße 32.
Zur Sache: .... Auch von den Beamten des oberen Teils von Bu'ea mußten verschiedene gleich ihre Wohnung räumen. Nächsten Tages kam ein englischer hoher Offizier zu mir ins Haus, das uns von jeher als Wohnung gedient hatte. Man fragte mich dort, wer das Haus bewohne. Nach Auskunfterteilung wurde mir gesagt, ich müsse das Haus sofort räumen, da der betreffende Offizier es beziehen wolle.
Während des Packens wurde ich von schwarzen englischen Soldaten, die gleich in das Hans eingedrungen waren, sehr belästigt, sie stahlen während des Packens, was sie erwischen konnten. Wenn man ihnen dies wehrte, wurden sie frech. Gestohlen wurde mir u. a. insbesondere eine Handtasche mit 50 Mark, die ich nicht mehr bekam. Im Garten sah ich zwei weiße Engländer Ananas pflücken. Diese bat ich, zu mir hereinzukommen und zu veranlassen, daß die Schwarzen uns in Ruhe ließen. Diese versicherten zwar, daß sie mir beistehen wollten, indem sie Gentlemen seien, gingen aber ruhig ihres Weges weiter. Mein Küchengeschirr konnte ich nicht mehr in Sicherheit bringen. Die Soldaten, die gleich zu kochen angefangen hatten, verweigerten dies.
Obwohl ich am nächsten Tage dem Major von der Entwendung der Tasche mit Geld sofort sagte, wurde nicht im mindesten hierwegen nachgeforscht. Äußerlich war das Benehmen dieser Herrn ganz korrekt, aber sie taten nichts zur Sache selbst.
Die anderen Leute dagegen waren die Tage vorher in großen Scharen von schwarzen Soldaten mit aufgepflanztem Seitengewehr abgeführt worden.
Ich trage noch nach, daß das Pferd meines Sohnes, das auf der Station
stand, ohne weiteres von den Engländern in Benutzung genommen wurde. Trotz Reklamation bekamen wir von dem Pferde nichts mehr zu sehen.
Am 27. November kamen wir, d. h. ich, meine Kinder und Fräulein, auf das englische Schiff , das vor Duala lag. Die Verpflegung war jedoch fürchterlich.
Auf dem Schiffe waren etwa 300 Personen. Die Herren waren sehr eng und schlecht untergebracht. Zum Teil mußten sie im Speisesaal 11. Klaffe auf dem Boden liegen, und zwar zum Teil ohne Betten.
Wir blieben ungefähr bis zum 3. Dezember vor Duala liegen. Man merkte,
daß die Behörden zu Lande uns absichtlich schlecht behandelten und eine bessere Unterbringung der Herren nicht zuließen.
Die Verpflegung war die ganze Zeit über gleich schlecht. So bekamen wir
vollständig ungewaschenen Negerreis, der von Würmern wimmelte. Mittags bekamen wir meist Fleisch, doch war es faul und verdorben. Ich selbst habe es infolgedessen nie essen können. Andere Leute hat wohl der Hunger dazu gebracht, es zu genießen.