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Anlage 41.
Auszugsweise Abschrift zu IV. 381. 16.
Protokoll,
aufgenommen beim Kgl. bayerischen Amtsgericht Kissingen.
Gegenwärtig:
Königlicher Amtsrichter Fuchs, stellvertretender Gerichtsschreiber Winter.
Bad Kis s ingen, den 2 2. Februar 1916.
Es erscheint der Zeuge Ernst Fickenbey/ demselben wurde der Gegenstand seiner Vernehmung bekanntgegeben j er wurde wie folgt vernommen:
Zur Person: Fickendey, Ernst, aus Braunschweig, geboren 29. Januar 1878 zu Uthmöden, Dr. pliil., Leiter der Versuchsanstalt für Landeskultur Victoria. Seit Anfang November 1918 war ich beim Gouvernement Buea als Referent für Landwirt- wirtschaft tätig.
Zur Sache: Am 15. November 1914 wurde Buea von englischen Truppen besetzt Etwa am 18. wurde uns mitgeteilt, daß sämtliche Deutschen nach einem noch unbekannten Bestimmungsort abtransportiert werden würden. Die Abführung nach Duala erfolgte in 8 Transporten. Bei der Ankündigung der Wegführung war uns mitgeteilt worden, wir würden voraussichtlich in einer englischen Kolonie untergebracht werden. Da meine Gesundheit damals infolge einer Operation und einer Nierenentzündung sehr geschwächt war, hielt ich es für notwendig, mir über meinen Zustand das Attest eines englischen Arztes zu besorgen und wandte mich an den Truppenarzt Dr. O'Drien. Bevor ich indes mein Anliegen vorbringen konnte, schrie er mich barsch an: »Sie wollen natürlich nach Victoria mit der Bahn fahren. Das gibts aber nickt. Meinetwegen können Sie unterwegs umfallen«, und wandte mir dann den Rücken.
Ick bewohnte zusammen mit Regierungsassessor Kaiser ein Doppelhaus. Am Tage nack der Besetzung wurde das Daus als Ouartier für englische Offiziere in Anspruch genommen. Es wurde mir bedeutet, daß ich über meine Vorräte an Eßwaren und Getränken nicht mehr verfügen könne, doch wurde mir gestattet, für eigenen Bedarf die erforderlichen Waren den Beständen zu entnehmen. Dann wurde mir weiter empfohlen, alle Dinge von Wert in Koffer zu packen, die verschlossenen Koffer könne ich ihrer Obhut ruhig anvertrauen. Schließlich wurde mir noch der bezeichnende Rat erteilt, nichts in der Wohnung verschlossen zu halten. Wenn nicht von ihnen, so sicher von ihren Nachfolgern würde dort alles aufgebrochen. Ich nahm 2 Koffer mit mir und ließ drei in der Wohnung zurück. Am zweitfolgenden Tage fanden sick nach Abzug der Offiziere, denen alsbald andere Einquartierung folgte, die Koffer erbrochen und größtenteils ihres Inhalts beraubt vor. Hauptsächlich gestohlen waren europäische und weiße Anzüge sowie feine weiße Herrenwäsche. Ebenso waren in der Wohnung von Assessor Kaiser, die ebenso mit Offizieren belegt war, verschiedene Einbruchsdiebstähle verübt.
Meine Haushaltungsgegenstände (Teller, Schüsseln, Gläser, Messer, Gabeln usw.) waren' nach einigen Tagen verschwunden, ebenso die Küchenausrüstung. Zurückgelassen habe ich u. a. eine Bibliothek im Anschaffungswerte von 2 500 Mark, größenteils in der Ver- suchsanstalt Victoria, teils in meiner Wohnung in Buea.