150
Anlage 39-
Auszugsweise Abschrift zu ^..IV. 478.
Öffentliche Sitzung des Großherzoglich Sachs.Amtsgerichts Weimar, den U>. Februar 1015
Weimar.
Gegenwärtig: '
Amtsrichter I. R. Metzner als Richter,
Iustiz-Anw. Böttger
als Gerichtsschreiber.
Es erschien nachgenaunte Zeugin von Engelbrechten.
Nachdem die Zeugin auf die Bedeutung des Eides hingewiesen war, wurde sie, wie folgt, vernommen:
Ich heiße Annemarie von Engelbrechten, geb. Freiin von Thüna, bin 32 Jahre alt, evangelischer Religion, wohnhaft in Weimar, mein Mann ist Hauptmann in der Kaiserlichen Schutztruppe.
. Am 15. November 1914 wurde Buea von englischen Offizieren und schwarzen Truppen besetzt. Die Häuser wurden mit Einquartierung von Weißen -belegt. Dagegen wurden die Schwarzen massenhaft in den .Hausgärten untergebracht. Bon anderen habe ich gehört, daß zahlreiche Sachbeschädigungen und Diebstähle durch die Truppen unter den Augen der Offiziere begangen worden sind. Insbesondere habe ich erfahren, daß dem vr. Fickendey aus einem verschlossenen Koffer sehr viel Wäsche, Bilder und andere wertvolle Sachen gestohlen worden sind, daß im Missionsgebäude Tische und Bänke zertrümmert und als Feuerholz verwendet worden sind, ebenso wie die Vorräte der Gouvernementstischlerei. Ich habe selbst gesehen, daß der Garten der Mission aus- geraubt und zertrampelt worden ist. Auch das Vieh der Mission ist weggenommen worden. Alle Zivilpersonen, einschließlich der Frauen, mußten ihr Ehrenwort dahin abgeben, daß sie nichts gegen die Engländer und Franzosen unternehmen und nicht fliehen würden. Der Subdirektor Guse und der Assessor Feldmann sind im Gefängnis ohne Betten oder Decken und ohne Ernährung festgesetzt worden, und zwar in Räumen, in denen auch Schwarze, sogar eine schwarze Frau, als Gefangene untergebracht waren. Außerdem muß ich noch bemerken, daß wir nach den uns erteilten Weisungen unsere Häuser so selten wie möglich verlassen durften, und daß wir auch insofern schikaniert wurden, als unsere Diener — schwarze Jungen — bei ihren Ausgängen vielfach angefallen und überhaupt festgehalten wurden. In der Zeit vom 21. November ab wurden alle Deutschen in verschiedenen Transporten und unter dem Geleit schwarzer Soldaten auf ein Schiff gebracht. An Gepäck durften wir 3 Lasten zu je 30 KZ mitnehmen. Die Verpflegung war der Menge nach ungenügend, der Beschaffenheit nach sehr schlecht. Im Reis und Brot fanden sich stets Käfer. Zu Mittag gab es regelmäßig Reis und Fleisch, zuweilen afrikanische Kartoffeln, die nur die Eingeborenen zu essen pflegen. Das Eßgeschirr war äußerst unsauber, man ekelte sich, es zu benutzen. Die Männer mußten ihr Essen in einem anderen Raume stehend ein- nebmen. Es war noch ungenügender in der Menge als unseres.