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Anlage 38.
Auszugsweise Abschrift zu IV. 502.
Kriegsministerium.
Militär-Untrrsiichrmgsstklle für Derletzimgen des Kriegsrechtes.
Kriegsgerichtsrat Dr. Linde als Richter,
Kalkulator Scholz
als Gerichtsschreiber.
Berlin, den 5. Februar 1915.
Es erschien Frau Regierungsbaumeister Berr, wurde auf die Bedeutung des zu leistenden Eides hingewiesen und erklärte:
Zur Person: Ick heiße Linie Berr, geb. Gasiorowska, bin katholisch, 25 Jahre alt.
Zu meiner Sicherheit schickte mich mein Mann nach Buea.Bald darauf kam
der Befehl, daß wir alle Häuser verlassen und binnen ^ Stunde uns mit anderen Deutschen in einigen wenigen Häusern versammeln sollten. Wir waren recht zusammengepfercht und blieben so 14 Tage bis zu unserer am 28. November erfolgten Abfahrt. Die Engländer blieben mit ihren schwarzen Soldaten in Buea und duldeten es, daß die schwarzen Soldaten sich Uubotmäßigkeiten gegen uns zuschulden kommen ließen. Die Schwarzen waren frech gegen uns, sie brauchten Schimpfworte gegen die Deutschen und bedrohten sie. Daneben stahlen sie wie die Raben und plünderten auch einige Häuser aus. Auch weiße englische Soldaten suchten uns dadurch zu kränken, daß sie uns sagten, Deutschland sei erledigt usw.
Am 26., 28. und 30. November 1914 wurden alle Deutschen nach Viktoria transportiert. Die Frauen durften von Soppo mit der Bahn fahren, während die Männer unter starker militärischer Bewachung in der Gluthitze nach Viktoria marschieren mußten. Dieser Marsch bedeutete für einige kranke, ältere Männer eine sehr große Härte.
Auf einem kleinen französischen Transportschiff wurden wir nach Duala-Manoca- bucht gebracht und dort auf den englischen Dampfer überführt Mit diesem
Dampfer fuhren wir nach Liverpool. Die Überfahrt war scheußlich. Der Transportführer 81o^1^ schikanierte die Deutschen, Männer und Frauen, wie er konnte. Wenn man sich beschwerte, so sagte er zu uns: »Wenn Sie noch ein Wort sagen, so stecke ich Sie in die III. Klaffe.« Wir Frauen fuhren nur zum Teil in der I. Klasse, obwohl für alle genügend Platz dort gewesen wäre. Die Männer lagen zum größten Teil zusammengepfercht im Speisesaal der II. Klasse an der Erde.
Die Verpflegung war sehr schlecht. Das Fleisch und der Fisch waren sehr häufig verdorben. Es gab schmutzigen Reis, der von Maden wimmelte. Das Brot war leidlich, wurde aber zuletzt knapp.
Besonders die Männer klagten sehr. Sie mußten sich ihr Essen holen, stehend essen und ihr Geschirr selbst abwaschen.
Wir Frauen durften zwar im Speisesaal sitzend unser Essen einnehmen, hatten aber sehr unter der Unfreundlichkeit der uns bedienenden 8t6^ni'ä« zu leiden. Diese