Anlage 37.
Auszugsweise Abschrift zu I V. 731.
Königliches Amtsgericht Reutlingen. Anwesend:
Landgerichtsrat Muff, Amtsgerichtssekretär geller.
Den 5. März 1ÜI5.
Auf das Ersuchen wird auf heute vorgeladen und nach vorheriger Leistung des Zeugeneides vernommen Friedrich Lutz, Vorstand der Basier Mission in Kamerun, zur Zeit in Pfullingen, 45 Fahre alt, evangelisch, verheiratet, der Persönlichkeit nach durch den dem Amtsgericht bekannten Stadtpfarrer Vöhringer in Reutlingen anerkannt.
Derselbe übergibt eine von ihm niedergeschriebene Darstellung und erklärt nach Verlesung derselben durch den Richter i
Ich bestätige den Inhalt dieser Darstellung unter meinem Eide und habe derselben nichts beizufügen.
Vorgelesen genehmigt unterschrieben.
gez F. Lutz.
Zur Beurkundung, gez. geller.
Amtsgerichtssekretär.
Nachdem in den Tagen vom 12. bis l4. November am Fuße des Kamerunberges «Victoria, Tiko und Mpondo) größere Truppenansammlungen stattgefunden hatten, zogen die Feinde Sonntag, den 15. November, etwa mittags 1 Uhr in Buea ein. Es mögen wohl gegen 2000 Mann schwarzer Truppen und mehr als 1 000 Träger gewesen sein. Die Feinde ließen 2 große Geschütze den Kamerunberg herausschaffen, zerlegbare Revolver- kanonen mögen es etwa 8 gewesen sein und außerdem noch eine Anzahl Maschinengewehre.
Von Eingeborenen wurde uns mitgeteilt, daß die Aufforderung ergangen sei, die der Schutztruppe ungehörigen Deutschen aufzusuchen und einzufangen, wofür eine Belohnung s20 Mark) gegeben werde. Leutnant Feldmanu (Assessor) ist so von den Eingeborenen schmählich verraten worden.
Von Pflanzungsdirektor Stede (Ekona-Pslanzung), der mit mir als Kriegsgefangener voll Kamerun weggeführt wurde und sich heute noch in Oueensferry befindet, wurde mir erzählt, daß das Pflanzungspersonal beim Einmarsch der Engländer zunächst in einem Zimmer gefangen gehalten worden sei, ohne von den Feinden ausreichende Verpflegung zu erhalten. Nach der Überführung in das höher gelegene und kühlere Buea fehlte es ihnen außerdem noch an ausreichender Kleidung und an Decken. Wir glaubten, zumal seitens der Engländer, auf Schutz und Schonung der Mission, überhaupt des Privateigentums, rechnen zu dürfen. Auch die Eingeborenen suchten wir durch die Versicherung zu beruhigen, daß weder ihnen noch uns etwas geschehen werde. In dieser Annahme hatten wir uns freilich gründlich getäuscht.