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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Auszugsweise Abschrift zu I V. 227.

Königliches Amtsgericht Stuttgart Stadt.

Aktenzeichen: A. I V. 61/16 Liste Nr. 1/VII.

Anwesend:

Stelln. Amtsrichter Dr. Küstner, Protokollführer Notar.-Kand. Bürkle als Gerichtsschreiber.

Anlage 33.

Geschehen den 2. Februar 1916.

Es erschienen bei Aufruf: der geladene Zeuge.

Der Zeuge wird nach Hinweisung auf die Bedeutung des Eides vernommen wie folgt:

Zur Person: Vöhringer, Dr. Gotthilf, Direktor der Württembergischen Kame­rungesellschaft, 35 Jahre, ledig, evangelisch.

Zur Sache: Ich habe als Direktor der Württembergischen Kamerungesellschaft die Belagerung und Einnahme von Duala mitgemacht. Am 27. September 1914 lochte in Duala die weiße Flagge. In den Morgenstunden des 28. September begannen die Engländer und Franzosen größere Trupps von Schwarzen zu landen. Man sah Dualaleute auf die Stadt zurudern. Diese fingen, wie ich gemeinsam mit einer Anzahl von Herren der Basler Mission und Missionshandlung von der Veranda der Basler Missionsstation Bonaku aus beobachtete^ zu plündern an. Unter den Augen der Eng­länder und im Beisein von weißen Engländern öffneten sie die Leichter am Strande und beraubten sie, soweit sie nicht leer waren. Von den leeren Leichtern nahmen sie die Bretter und die geteerte Leinwand (Persennige) weg. Auf der Brücke der Mittel­landbahn erbrachen sie das Gebäude und schleppten alles Tragbare weg. Am Strande nach der Regierungsbrücke zu schafften sie Stöße von Brettern weg. Außerdem beobachtete ich, wie sie große Bündel von Waren wegtrugen, die aus den dort befindlichen Waren­lagern stammten. Meiner Ansicht nach wären die Duala mit einem bißchen Energie jetzt noch wohl im Zaume zu halten gewesen. Ein Haufe Duala wollte mir am Strande ein Kanu stehlen. Ich rief von der Veranda zu ihnen hinunter, daß, wenn sie das Kanu nur anrühren würden, ich Hinunterkommen und sie durchhauen würde. Sofort verschwand auf dies hin der ganze Haufen unter Entschuldigungen, obwohl ringsum geplündert wurde. Sie beteuerten, sie hätten von den Engländern die Erlaubnis zum Plündern bekommen.

Der Führer der Bahnhofswache war ein englischer Söldner, mit dem ich mich über die Plünderung der Duala unterhielt. Er betrachtete das Verhalten der Schwarzen als eine Schmach für die Weißen und sagte, wenn er gedurft hätte, hätte er gern unter die plündernden Duala hineingeschossen.

Nachdem wir durchsucht und ausgeplündert waren, wurden die Angestellten meines Sägewerks in Bojongo ebenfalls an Bord der »6Lt1iiir8t« gebracht. Es waren dies: Kaufmann Eugen Mai er und Monteur Heinrich Münzen maier, beide von Cannstadt.