Anlage 30.
Auszugsweise Abschrift zu IV. 254.
Amtsgericht,
Abteilung für Requisitionen in Sträflichen. .Hamburg, deN II.RvVeinlur 1915.
Gegenwärtig:
Amtsrichter Keuneke als Richter,
Gerichtsschreiber Sann ecke
als Gerichtsschreiber.
Es erschien auf Ladung der Zeuge Fendt, derselbe erklärte zur Person:
Heinrich Fendt, Hamburg, Goldbeckufer 19 hpt., geboren 6. August 1857 in Spiekcrhörn, verheiratet, ... l. Maschinist ...
Sodann zur Sache:
Zur Zeit des Kriegsausbruchs war ich als erster Ingenieur an Bord des Dampfers »Hans Woermann« in Duala, . . . Am 29. September 1914, morgens 7,80 Ilhr, kam ein Offizier des englischen Kreuzers »('1m11(MA6i> an Bord, begleitet von bewaffneten Seesoldaten. Die Mannschaft mußte antreten. Der Offizier sagte uns in englischer
Sprache: »Ich gebe Ihnen 10 Minuten, Ihre Sachen zu packen. Wenn Sie dann nicht fertig sind . . .« Er vollendete den Satz nicht, sondern machte mit einem Beine eine Bewegung, die andeutete, daß er die Säumigen durch Fußtritte zur Eile anspornen würde.
Während mein schwarzer Diener in Eile die notwendigsten Sachen für mich packte, mußte ich einen! englischen Ingenieur die Maschinen und Hilfsmaschinen unseres Dampfers erklären. Als ich wieder heraufkam, hatte der englische Bootsmann bereits die Schlüssel von den Kammern genommen, so daß es mir nicht möglich war, mehr von meinen Sachen mitzunehmen, als der Diener gepackt hatte. . . . Ein englischer Zahlmeister befahl uns dann, alles Geld über 100 Mark abzuliefern. Ich griff in meine Tasche und nahm meine Geldbörse heraus. Der Zahlmeister packte in diesem Augenblick mein Handgelenk und nahm mir meine Börse ab. Er nahm eigenhändig darauf 1 Hundertfrankschein und 4 Zwanzigmarkstücke in Gold heraus/ eine Quittung wurde mir nicht behändigt. . . .
Wir wurden noch am 29. September auf den Dampfer »Ratüurst überführt, auf dem auch alle anderen Deutschen, die in der Kolonie festgenommen worden waren, verbracht wurden. Wir waren schließlich etwa 420 Gefangene. Die »8u.t1rui-8t.« brachte uns nach Lagos, wo wir nach etwa 20tägiger Liegezeit auf die »Olnmni«
überführt wurden. Auf dem ersten Dampfer war die Verpflegung kümmerlich.
Das Schiff war von Negersoldaten militärisch bewacht. . . . Diese Negersoldaten haben sich mehrfach Übergriffe gegen die Deutschen erlaubt. Ich habe gesehen, daß Deutsche auf dem Wege zur Latrine mit dem Gewehrkolben und mit den Fäusten gepufft wurden. Der Ingenieur August Nogge, 1. Maschinist Hermann Warnte und ein 2. Maschinist Barkentien, ein 3. Offizier, Herr Bö hm, sind in dieser Weise mißhandelt worden. . . . Ich habe selbst gesehen, daß Frau Dix nur einen Schuh und einen Strumpf anhatte, als sie an Bord gebracht wurde. Zahlreichen anderen Damen ist es ähnlich ergangen.