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AusMMveise Abschrift zu .V. IV. 632. 16.
Anlage 28.
Amtsgericht Hamburg.
Gegenwärtig: Amtsrichter Keuneke als Richter, ge'z. Lütten
als Gerichtsschreiber.
Hamburg, den 3. April 1916.
Zeugen Protokoll.
Es begaben sich am heutigen Tage die nebenbezeichneten Gerichtspersonen zum Zwecke der Vernehmung des erkrankten und als Zeuge zu vernehmenden Direktors Lohff in das Tropenkrankenhaus.
Der Obengenannte wurde in zwar ersichtlich krankem, aber vernehmungsfähigen! Zustand angetroffen.
Demselben wird der Gegenstand der Untersuchung bezeichnet, worauf derselbe, über seine persönlichen Verhältnisse befragt, erklärt:
Jürgen Heinrich Lohff, Kaufmann, ledig.
Berlin, Adresse: Dresdner Bank.
Geboren 5. August 1870 in Wyk a. Föhr.
Zur Sache: Ich befand mich zur Zeit der Kriegserklärung in Duala, wohin ich seit Juli 1913 als Leiter der Deutsch-Westafrikanischen Bank versetzt worden bin. Ich war schon seit langen Jahren in den Tropen kaufmännisch tätig und hatte in dem letzten Jahre vor meiner Versetzung nach Duala die Niederlassungen der vorgenannten Bank in Togo und auch in Kamerun geleitet.
Ich wohnte in dem der Bank gehörigen Gebäude.
Am 27. September 1914 erfolgte die Übergabe von Duala. Am 28. September 1914 stand ich um die Mittagszeit vor dem Bankgebäude, als ein schwarzer Soldat — Nigerier - in Begleitung eines schwarzen Angestellten des deutschen Bezirksgerichts bei mir erschien und durch Vermittlung des letzteren mir bestellte, daß die Deutschen sich zur Registrierung ihrer Namen sofort im Hospital einzufinden hätten. Ich ging sofort zum Hospital, ohne irgend etwas mitzunehmen. Ich fand dortselbst schon zahlreiche Deutsche, sowohl Frauen als Kinder vor. Das Gebäude mit seinem Garten war mit einer Kette Negersoldaten umstellt. Ich wandte mich dann an den Districts- Eommissioner Mr. Powl, der mir versicherte, daß lediglich unsere Namen in Listen eingetragen werden sollten und wir dann nach Hause gehen könnten. Dieselbe Versicherung gaben mir auch andere englische Offiziere, die dabeistanden. Diese gaben schließlich den Soldaten einen Wink, mich durch die Postenkette durchzutasten, und ich ging nunmehr arglos in das Gebäude hinein.
Ich habe gesehen, daß zahlreiche andere Deutsche von den Negersoldaten eskortiert in das Hospital geführt worden sind.
Ich bin dann erst am 30. September 1914 — wenn ich mich des Datums richtig entsinne — abtransportiert worden.
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