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Auszugsweise Abschrift zu IV. 221. 16.
Anlage 27.
Königliches Amtsgericht Calw.
Anwesend: Geschehen am 5. Februar 1916.
Amtsrichter Irion,
Amtsgerichtssekretär Hirth.
Aus Ersuchen soll als Zeuge vernommen werden und ist aus Ladung erschienen:
Heinrich Gottlieb Stahl, Missionar in Calw.
. Derselbe wird nach Hinweis auf die Bedeutung des Zeugeneides und eindringliche Ermahnung zur Wahrheitsangabe gemäß §§ 61, 62 St. P. O. als Zeuge beeidigt und hierauf, wie folgt, vernommen:
Zur Person: Ich heiße Gottlieb Heinrich Stahl, bin geboren am 8. September 1875 in Ostelsheim, O.-A. Calw, evangelischer Religion, verheiratet, Missionar, zur Zeit in Calw wohnhaft.
Zur Sache: Am Morgen nach der Übergabe (28. September) ging ein uns von schwarzen Jungen überbrachtes Gerücht in zweierlei Fassung durch die Stadt: erstens, es sollen sich alle ledigen, zweitens, überhaupt alle Deutschen von Duala zwecks Feststellung ihrer Personalien im Hospital versammeln. Auf das zweite Gerücht gingen nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr auch meine Frau und ich dorthin.
Nahe am Tor des Hospitals angekommen, sahen wir Herrn Generaloberarzt Dr. Waldow mit einem englischen Sanitätsoffizier heranführen. Ich grüßte die Herren und fragte den Engländer höflich, ob es richtig sei, daß wir Deutschen uns hier versammeln sollen. Der antwortete: "Von Iravo. onl^ put cko^vn vour uaine, ut'ter- >vur(1s ^ori euu Zo daek to liouse."
Beruhigt durch diese Auskunft, drängten wir uns durch die Menge der gaffenden Dualaleute und durch die zahlreichen schwarzen englischen Wachen mit ihren aufge pflanzten Seitengewehren hindurch, hinein in den geräumigen Hof. Schon eine Menge unserer Landsleute waren dort, auch einige Frauen darunter, es war nur zu klar, daß man uns alle mit List und Lug und Trug gefangen hatte.
Wir drei befragten uns nun bei einem der geschäftig hin und her eilenden englischen Offiziere und baten, uns doch wieder nach Hause gehen zu lassen. Aber wir wurden an einen Franzosen gewiesen, der augenblicklich der rangälteste Offizier der Verbündeten am Orte war. Der faßte mich an der Schulter und wies mich streng zu den vielen anderen.Deutschen hin.
Wir anderen alle, etwa 190 Mann, wurden sofort von Sudansoldaten herumkommandiert und in Marschordnung aufgestellt. Ich riet meiner Frau, dazubleiben und sich zu den Schweizer Missionsleuten zu begeben. Niemand durfte mehr in seine Wohnung zurück, um noch die nötigsten Kleidungs- und Wäschestücke zu holen, und das in einem heißen Klima, wo Bedürfnis und Notwendigkeit des Wäschewechsels ungleich größer und häufiger ist als im kalten Klima.
Vom Hospitalhof aus wurden also wir, die zuerst gefangenen, an den gaffenden Kamerunleuten, vor denen damit der deutsche Name und das deutsche Ansehen ganz in den Staub getreten war, durch zahlreiche Sudanesen vorbeitransportiert, an die Landungsbrücke geführt und sofort auf die beiden Transportschiffe und »Dokochja«,