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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 24.

Auszugsweise Abschrift zu V. IV. 1^tt',6. 15.

Königliches Amtsgericht Weinsberg.

Anwesend:

Oberamtsrichter Schund,

Amtsgerichts sekretär Jung.

Geschehen am 1. Mai 1915.

Erschienen ist: Minna Dagenbach, zur Zeit Steinsfeld, O.A. Weinsberg, Königreich Württemberg, Missionsschwcster (Basler Mission).

. Zur Zeit der Kriegserklärung war ich als Missionsschwester der Basler Mission aus der Missionsstation Bonaku in Duala in Kamerun.

Am 26. September 1914 wurde Duala übergeben. Ich meine, es sei einen oder einige Tage nachher gewesen, daß wir im Negicrungshospital festgehalten wurden. In dem Negicrungshospital wurden wir annähernd 240 Personen in einer Zimmerflucht zusammengepfercht, und zwar so, daß in einem Zimmer, das sonst für eine Person berechnet war, 9 untergebracht waren, Männer und Frauen untereinander. Zum Schlafen durften wir Tragbahren benutzen, die im Spital vorhanden waren, doch habe ich selbst keine benutzt. Die Klosettverhältnisse waren entsetzlich/ die Wasser, leitung war vorher von den Deutschen zerstört worden, und das Wasserklosett funktionierte infolgedessen nicht mehr, so daß man sich die Ausdünstung denken kann. Zudem war das Klosett in unmittelbarer Nähe unseres Zimmers, so daß es beinahe nicht zum Aushalten war. Das Zimmer und die Veranda durften wir nicht verlassen. Zu essen haben wir am ersten Tag von den Engländern nichts bekommen, und am zweiten Tag bekamen wir erst abends auf Aufforderung mehrerer Herren an Offiziere Schiffs- zwicback, der aber hart und beinahe ungenießbar war. In dem Negicrungshospital waren wir 2^ Tage untergebracht. Am 3. Tage wurden wir unter schwarzer und weißer Begleitung auf ein englisches Schiff gebracht und nach Lagos übergeführt. Es dauerte etwa 7 Tage, bis wir nach Lagos kamen, während man sonst etwa 36 Stunden Fahrzeit rechnet. Der Dampfer, mit dem wir befördert wurden, war ein alter Fracht­dampfer »Latlurrst« und äußerst mangelhaft eingerichtet. Wir Frauen wurden je zu dreien in einer engen Kabine untergebracht, in welcher die Matratzen so schmutzig waren, daß ich ein Papier darauf legen mußte, weil ich sonst hätte nicht darauf liegen mögen. Die Verpflegung auf dem Schiff war sehr schlimm, und wir mußten eigentlich Hunger leiden. Die ersten Tage gab es nur harten Schiffs ealre«, zum Teil verschimmelt, und später Reis. Zum Neis bekamen wir weder Teller noch Löffel zum Essen, so daß wir wie die Schwarzen die Hand nehmen mußten. Vor Lagos bekamen wir das erste- mal Suppe, die aber so ungenießbar war, daß man sie nur essen konnte, weil eben der Hunger zu groß war. In Lagos wurden wir 9 Missionsleute, die wir an Bord waren, auf unsere Bitte ausgeschifft.

In Lagos waren wir 14 Tage auf der englischen Missionsstation, deren Missionsleute sehr reserviert gegen uns waren. Auf unsere Bitte kamen wir von Lagos nach Aecra an der Goldküste, wohin wir deshalb wollten, weil dort eine Basler Missionsstation ist. In Aecra kamen wir mittags um 4 Uhr etwa an, dagegen wurden wir erst bei Nacht an Land gebracht. Die Ausschiffung war lebensgefährlich, weil sie dort wegen Fehlens eines Hafens auf hoher See erfolgen mußte und unser Boot voll-

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