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Verhalten der englischen und der unter englischem Oberbefehl stehenden französischen Truppen gegen die weiße Bevölkerung der deutschen Schutzgebiete Kamerun und Togo / Reichs-Kolonialamt
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Anlage 22.

Ausmasweise Abschr'ft zu IV. 24l>6. 15.

Königliches Amtsgericht Maulbronn. Geschehen am 10. April 1915.

Anwesend:

Oberamtsrichter Wagner . .

als Richter, ' ' ' . . .... ..

Amtsgerichtssekretär Rath ... . . ..

als Gerichtsschreiber.

Es wurde als Zeuge geladen und vernommen wie folgt:

Zur Person: Ich heiße Otto Solleder in Lienzingen,. Basier Missionar, zur Zeit Pfarrverweser in Lienzingen.

Zur Sache: Zur Zeit der Kriegserklärung als Missionar in Bonaberi, Stadt­bezirk Duala (in Kamerun). Als ich am 28. September 1914 einen Nundgang durch das Ortsteil Bonaberi machte, wurde von einer englischeil Patrouille, bestehend aus einem Korporal und 2 Soldaten, aus einer Entfernung von etwa 80 Meter auf mich ge­schossen, desgleichen auf meinen Begleiter, Missionar Leipersberger. Eine Kugel hörte ich nicht Pfeifen, und so weiß ich nicht, ob der eine auf uns beide abgegebene Schuß etwa ein Schreckschuß oder ob er ernstgemeint war.

Wir (verschiedene Deutsche) waren 2 Tage lang im Woermannhause in Bonaberi interniert. Von dort aus sahen wir mit an, wie ein Österreicher N. N., angestellt in der Württemberger Kamerun-Gesellschaft, von Schwarzen (Dualaneger) angeschleppt wurde. An jedem Arm hingen ihm mindestens 2 Schwarze, wogegen eine Anzahl weiterer Schwarzer auf ihn, namentlich auf seinen Kopf und Rücken, aber auch ins Gesicht, einschlugen. Den Tropenhelm hatte der Mißhandelte verloren. Der Öster­reicher ivurde vor eine aufgestellte Kompagnie geführt, und wir waren gespannt darauf, wie sich jetzt die englischen Offiziere ihm gegenüber verhalten würden. Allein im nächsten Augen­blick wurde er zufolge einer Handbewegung des kommandierenden Offiziers von den Schwarzen wieder abgeschleppt, wobei die Mißhandlungen, wie zuvor, fortgingen, ohne daß dies von den Engländern, die es mit ansahen und ansehen mußten, irgendwie verhindert worden wäre.

Am 28. und 29. September .1914 wär ich zusammen mit etwa sieben anderen Deutschen im Woermannhause in Bonaberi interniert. Zu essen und zu trinken be­

kamen wir in diesen 2 Tagen gar nichts. Selbst die Erlaubnis, im Hofe Wasser zu pumpen, wurde uns verweigert. So mußten wir uns mit den wenigen Speiseüberresten, die sich noch im Woermannhause vorfanden, nähren.

Am Abend des 29. September wurden wir auf das Transportschiff »Lonm« verbracht. Hier kam mir mein einziger Koffer vollends abhanden. Reklamationen halfen nichts/ ebenso ging es verschiedenen anderen Deutschen. An Beköstigung erhielten wir Wasser und einen Lchiffszwieback.

In Bonaberi sah ich vom Woermannhause aus mit an, wie die anliegenden Faktoreien von schwarzem Militär geplündert wurden, ohne daß ihnen von weißen Vor­gesetzten Einhalt getan worden wäre. Selbst das sah ich mit an, daß englische Sol­daten, also Weiße, Geplündertes forttrugen.

Die Kaffenschlüffel der Firma Woermaun L Eo., Bonaberigeschäft, und der Deutschen Kamerun-Gesellschaft, Bonaberi, wurden in meinem Beisein den Firmen­vertretern abverlangt nnd abgenommen, ebenso die Selllüssel zu den Geschäftsräumen.